Geburtsfehler des Luthertums

1. lutherisch

Sind wir in dem Sinne Lutheraner, wie die Korinther paulisch oder apollisch (1. Kor. 1,12) waren, daß wir lediglich eine Tradition fortführen, die auf Luther zurückgeführt wird, wobei die Rolle des Reformators der eines Papstes bedenklich ähnlich ist? In dieser Tradition kann die bloße Behauptung „Luther hat gesagt“ einen Schriftbeweis als verzichtbar erscheinen lassen. Der Heiligenschein von St. Luther wird poliert und Tatsachen, die den Heiligenschein verdunkeln, werden bewußt verborgen. So hatte ich weder am Seminar der Lutherischen Freikirche in Leipzig noch am Seminar der Wisconsinsynode von Luthers Ruf nach dem Henker für Wiedertäufer erfahren, der völlig unumstritten ist und den jeder in seinen Werken nachlesen kann, wo er allerdings auch versteckt ist. Alle Universitätsstudenten wissen das, es steht auch in Heussis Kirchengeschichte. Wo das christliche Denken in Wahrheitskategorien fehlt, ist die selektive Registrierung von Fakten gang und gäbe. In der DDR lernte ich in der Schule, daß die Sowjetarmee bei der „Befreiung“ Berlins Essen verteilt hat. In keiner DDR-Veröffentlichung stand etwas Schändliches über diese Armee der barmherzigen Samariter. Dafür wurden in Westdeutschland die Kriegs- und Nachkriegsverbrechen der Amerikaner verschwiegen. Von den Verbrechen der sowjetischen Waffenbrüder im gemeinsamen Krieg für Demokratie, Menschenrechte und Glaubensfreiheit erfuhr der amerikanische Zeitungsleser erst während des Kalten Krieges. In diesem Stil blenden Katholiken die Verbrechen der Päpste aus, und angebliche Lutheraner nehmen es mir übel, daß ich solche Lutherworte zitiere, die der Reformator besser nicht geschrieben hätte. Wer in dem Sinne lutherisch ist, wie die Christen in Korinth paulisch oder apollisch waren, der vertritt lutherische Schibbolehts der Lehre und siebt Irrlehren aus, selbst wenn sie so klein sind wie Mücken. Aber er verschluckt die Kamele der Bibelkritik, der Evolutionslehre und ähnliche, die in den Lutherischen Bekenntnisschriften angeblich nicht verworfen werden. Dieses Verschlucken von Kamelen hatte in Naumburg bei einem Ausflug des Theologischen Seminars in Leipzig erlebt. Ich hatte eine Broschüre gegen die Evolutionslehre vervielfältigt, die von einem baptistischen „Irrlehrer“ in Tausenden von Exemplaren verbreitet wurde. Meine Tätigkeit war ständig durch Papierknappheit bedroht. Deshalb nahm ich zum Seminarausflug vorsorglich leere Beutel mit. In Naumburg gab es Papier. Meine Idee war: Nach dem Ausflug nehme jeder Student einen Beutel Papier mit nach Hause und übergebe es mir nach und nach im Seminar. Nur ein einziger Student war dazu bereit. Die Ablehnung des Papiertransports muß man als Genesiskommentar verstehen. Denn die Evolutionslehre ist Allgemeingut. Da jeder weiß, daß das auch jedem Pastor bekannt ist, kann dessen schweigen nur als Zustimmung verstanden werden. Doch wenn das Evolutionsthema die Identität als Lutheraner nicht berührt, dann ist man in dem Sinne lutherisch, wie man in Korinth paulisch oder apollisch war, und nicht im Sinne von „allein die Schrift“.

2. Haß der Welt

Wenn Glaube mehr bedeutet als identitätsstiftende Schibboleths zu bewahren, sondern wenn er sich als gelebte Jesusnachfolge im Leben auswirkt, dann provoziert das den Haß der „Welt“ und führt zur Verfolgung. Das sieht man bei den Zeugen Jehovas besonders deutlich. Warum wurde diese Glaubensgemeinschaft sowohl von den Nazis als auch in der DDR verfolgt? Ihre Irrlehren, z. B. die Leugnung der Gottheit Jesu, hatten weder die Nazis noch die Kommunisten gestört. Als diese Glaubensgemeinschaft 1950 in der neugegründeten DDR verboten wurde, konnte es auch nicht an deren Kriegsdienstverweigerung gelegen haben. Denn die damalige Politik war die völlige Wehrlosigkeit Deutschlands, so daß es in den Schulen nicht einmal Sportunterricht gab. Die Lüge, die „Zeugen“ würden für den amerikanischen Geheimdienst CIA spionieren, war bei ihnen besonders absurd. Ein internes Papier zeigt den wirklichen Grund: Und der war neben ihrer missionarischen Aktivität, daß sie nicht an „Wahlen“ teilnahmen und sich nicht in kommunistische Organisationen wie DFD, FDJ und die Partei integrierten. Auch einzelne Christen anderer Glaubensgemeinschaften verhielten sich ähnlich, aber nur einzelne Individuen, und nicht eine geschlossene Gruppe, die als Gruppe anderen unerwünschte Orientierung geben könnte. So vermeiden sie die Verfolgung, die Christus seinen Nachfolgern vorhergesagt hat.

In der Erinnerung von Zeitzeugen gab es sogar während der Nazizeit Glaubensfreiheit. Das kirchliche Leben blieb in der Tat von den Nazis weitgehend unbehelligt. Doch Pastor Paul Schneider kam wiederholt in „Schutzhaft“, und er wurde aus dem Rheinland ausgewiesen. Weil er sich nicht an das faktische Predigtverbot gehalten hatte, kam er 1937 ins KZ Buchenwald, wo er im Juli 1939 „starb“. Denn er hatte in seiner Verkündigung die Unvereinbarkeit des Nationalsozialismus mit der Lehre Jesu thematisiert. Er wurde auch nie gerichtlich angeklagt. Und der Tod des kerngesunden Pastors an „Herzversagen“ sollte für einen natürlichen Tod gehalten werden.

Die Römer hatten viele Götter. Wurde eine weitere Provinz erobert, dann wurden auch deren Götter in die römische Götterwelt integriert. In diesem Polytheismus wäre auch für Jesus Platz gewesen. Doch die Christen verwarfen alle anderen Götter. Dabei konnte und kann jeder glauben, was er will. Zur Verfolgung kommt es erst, wenn sich der Glaube im Leben auswirkt. Damals brauchte man den heidnischen Göttern nur einige Körner Weihrauch hinzustreuen, um sie in einer staatlichen Notlage gnädig zu stimmen. Anstatt den Märtyrertod zu sterben, würden sich die heutigen Theologen irgendeinen Hokuspokus einfallen lassen, wonach die wenigen Weihrauchkörner nichts mit dem Heidentum zu tun hätten.

Heute wollen uns sogar WELS-Theologen weismachen, daß die amerikanische Fahne im Altarraum keineswegs Götzendienst an der amerikanischen „Erlösernation“ sei, die das Heil der Demokratie in alle Welt trage, was die Vorstufe zu Jesu Königsherrschaft im Tausendjährigen Friedensreich sei. Sondern die Fahne im Altarraum sei lediglich Ausdruck des Dankes an Gott für den Segen, den er uns durch die gute amerikanische Regierung gegeben habe. Nicht auszudenken, wie in der DDR die Gottesdienstbesucher reagiert hätten auf die DDR-Fahne im Altarraum als Ausdruck des Dankes an Gott für den Segen, den er uns durch die gute DDR-Regierung gegeben hat. Der Unterschied der DDR zu Amerika besteht darin, daß das amerikanische Heidentum von der Erlösernation den Empfindungen der Kirchgänger entspricht, während in der DDR die Kirchgänger die staatlich gepredigte kommunistische Heilslehre ablehnten. Dabei läßt sich das Heidentum von der amerikanischen Erlösernation zwar in reformierten, aber nur andeutungsweise in lutherischen Kirchendokumenten nachweisen. Doch wir müssen unterscheiden zwischen dem Inhalt irgendwelcher frommer Papiere und dem tatsächlichen Glauben, der sich in den Taten auswirkt und z. B. durch die Fahne im Altarraum sichtbar wird.

Auch Aaron hatte als Priester Gottes keineswegs Götzendienst betrieben, sondern ein Fest dem HERRN, der sein Volk aus Ägypten herausgeführt hatte, veranstaltet. Das Goldene Kalb war lediglich eine neue Gottesdienstform, wie die US-Fahne im Altarraum lediglich eine amerikanische liturgische Besonderheit ist. Ein entsprechendes Ineinander der römischen heidnischen Staatsideologie und ihrer Jesusnachfolge lehnten die ersten Christen ab. Doch dabei blieb es nicht. In der Folgezeit wurde auch der Jesusglaube mit dem römischen Heidentum verschmolzen. Märtyrer nahmen als Heilige die Funktion heidnischer Götter ein. Wie der römische Kaiser auch oberster Priester war, so beansprucht der Papst bis heute sowohl die weltliche als auch die geistliche Macht. Nur vierzig Jahre nachdem die letzten Märtyrer starben, wurden die ersten Ketzer hingerichtet. Auf diese Weise kam das Heidentum zur Herrschaft in der Kirche.

3. Reformation

Und die Kirche war im Empfinden der Menschen nicht etwa der unsichtbare Leib Christi, sondern die vom Papst geleitete Organisation. Diese wollte Luther reformieren, nachdem die Mißstände durch den Ablaßhandel zu offensichtlich geworden waren. Aber die Kirche empfand auch er nach wie vor als Organisation. Die Leitung durch den Papst und dessen Bischöfe ging auf die Landesfürsten über, wenn vorerst auch nur als Notlösung. Luther paktierte mit den Fürsten, denen die Reformation ins politische Konzept paßte. So mischte sich die Sorge um das Seelenheil mit politischen Erwägungen. Luther erhielt für das Werk der Reformation Schutz durch die Staatsmacht. Dafür wurden die politischen Interessen in der Theologie und als Folge davon in der kirchlichen Verkündigung berücksichtigt.

Es kamen Mechanismen zum Tragen, die uns wie ein Naturgesetz überall bei politischen Entscheidungen begegnen. Wie Politiker die Wünsche ihrer Parteispender berücksichtigen, so beeinflussen die Interessen der Obrigkeit die Universitätstheologen bei der Ausgestaltung ihrer Theologie. Wir können weder Tagespolitik noch Geschichte verstehen, wenn wir den Akteuren unterstellen, daß deren schöne Worte die wirklichen Motive für ihre Entscheidungen seien. Da die Menschen zu allen Zeiten Sünder sind, sind diese Mechanismen der Korruption in allen Zeiten ebenso wirksam, wie die Newtonsche Physik die Jahrtausende hindurch dieselbe ist. Karl Heussi gebraucht in seinem Kompendium der Kirchengeschichteden Begriff „rückgratloses Hoftheologentum“1 und dieser Mißstand setzt sich bis heute fort. Heute befremdet die Kriegshetze des russischen Patriarchen Kyrill I. für Putins Krieg gegen die Ukraine. Doch auch in Amerika hatten Pfaffen für dessen Kriege, einschließlich der beiden Weltkriege und der Irakkriege, gehetzt, und auf deutsche Kriegshetze wird noch einzugehen sein. Wenn sich Menschen an Tatsachen orientieren, dann steuert der das Handeln der Leute, der die Fakten in seinem Sinne zurechtlügt. Orientieren sich die Menschen aber am Gotteswort, dann werden sie nicht selten von den rückgratlosen Hoftheologen gesteuert, die das Gotteswort nach irgendwelchen Wünschen zurechtbiegen.

Luther verstand sich als Kirchendiener. Und im römischen Katholizismus ist der Unterschied von Reich Gottes und Kirche nicht oder nur wenig im Bewußtsein. Von daher ist auf römischem Hintergrund der Gedanke nicht naheliegend, dip,9nmaß Jesu Aussage, daß niemand zwei Herren dienen kann, auch bedeuten könnte, daß niemand sowohl ein Kirchendiener als auch ein Diener Christi sein kann. Luther war ein Kirchendiener, der die Kirche nicht spalten, sondern lediglich Mißstände ausscheiden wollte. Der Streit um das Interim kurz nach Luthers Tod zeigt, daß es dem Melanchthon um den Inhalt des gemeinsamen Glaubens ging, ihm somit noch nicht klar war, daß es zwei oder gar drei (kath., luth. und reformiert) Kirchen gab.

Da der Papst am finanziell einträglichen Ablaßhandel festhielt, griff Luther das Papsttum als solches an. Dadurch kam manches ins Rutschen. Wo wird das enden? Luther wollte so wenige Veränderungen wie möglich. Mit dem Papsttum fielen auch die Sakramente außer Taufe und Abendmahl, da sie nur jemand spenden konnte, der durch einen Diener des Papstes geweiht war. Da Luther unmöglich sich selbst zum Papst machen konnte als Alternative zum Papst in Rom, blieb ihm nichts anderes übrig als zu lehren „allein die Schrift“. Doch die ältesten Traditionen zu hinterfragen, das wagte er doch nicht. Folgende Frage bleibt: Wo steht geschrieben, daß der Heilige Geist nicht nur vom Vater ausgeht, sondern auch vom Sohn, wie im Nicänischen und Athanasianischen Glaubensbekenntnis bekannt wird? Die Schrift bezeugt, daß der Heilige Geist vom Vater ausgeht und daß der Sohn ihn sendet. Aber es steht nirgends, daß er auch vom Sohn ausgeht. Dafür steht geschrieben, daß Jesus vom Heiligen Geist in einer Jungfrau gezeugt wurde und daß der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabfuhr (Matth. 3,16; Mark. 1,10; Luk. 3,22; Joh. 1,32).

4. Die Wiedertäufer

Vor allem wenn es das Werk der Reformation erforderte, entlarvte Luther unbiblische Lehren anhand der Schrift. Z. B. schrieb er 1520: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, daß es schon Priester Bischof oder Pabst geweihet sei“.2 Diese Abkehr von menschlichen Autoritäten hin zu dem Grundsatz „allein die Schrift“ entfaltete eine Eigendynamik, die niemand kontrollieren konnte. Auch die Wiedertäufer wollten sich allein von der Schrift leiten lassen und kamen zu anderen Ergebnissen als Luther. Während Luther die Kirche reformieren wollte, wollten die Wiedertäufer Jesus nachfolgen. „Niemand kann Christus wirklich erken­nen, der ihm nicht nachfolgt im täglichen Leben“.3 Luther lehrte, daß das Papsttum zu Rom vom Teufel gestiftet ist. Er wollte aber die einzelnen Landeskirchen, in die die Papstkirche zer­fallen war, erhalten. Indem die Täufer Gottes Wort und das Beispiel Jesu über alle menschliche Autoritäten stellten, wurden sie frei, sowohl die katholische Kirche als auch die Kirchen der Re­formation hinter sich zu lassen. „Es steht der Obrigkeit nicht zu, den Glauben zu regie­ren“, schrieb ein Täufer.4 Und Menno Simons riet den Christen in seinem Umfeld: „Ihr müßt Gott gehorchen, ehe ihr dem Kaiser gehorcht und sein Wort muß euch mehr gelten, als das des Kaisers“5. Es ist leicht nachzuvollziehen, daß diese Lehre die Grundfesten der etablierten Institutionen Europas erschütterte — Kirche, Staat und Familie. Wenn die „gottge­setzte Autorität“ von Kirche und Obrigkeit nicht mehr über den Glauben der Menschen ent­schied, was sollte dann aus der Gesellschaft werden? Wenn die Menschen die Freiheit beka­men, zu glauben, was sie wollten, der Obrigkeit nur zu gehorchen, wenn sie es mit ihrem Ge­wissen vereinbaren konnten und ihrer eigenen Überzeugung zu folgen, wann und wo sie dies wollten — was würde aus der öffentlichen Ordnung werden? Aus der Kirche? Aus Recht und Gesetz? Immer deutlicher wurde, daß die Täufer sich weder kirchlichem noch staatlichem Zwang beugen würden. Die Reformatoren erschraken und begannen in Wort und Schrift laut­stark gegen die Täufer zu wettern. Sie bewegten die Obrigkeit, aktiv gegen die Gefahr vorzuge­hen. Wie die katholische Kirche reagierten sie mit grausamer Verfolgung auf die täuferische Ketzerei. Hass und „heiliger“ Zorn vereinten sich zu einer Christenverfolgung, wie man sie seit­her in Mitteleuropa nicht wieder gesehen hat. In den Augen der Reformatoren war die Lehre der Täufer Verführung des Volkes, Aufruhr und Hochverrat. In ihrer von Seiten der Kirche nicht autorisierten Predigt sah Luther Zeichen dafür, „daß es rechte Teufelsboten sind“6. Jo­hannes, Herzog von Sachsen, erließ umgehend ein Gesetz gegen heimliche Taufen und Abendmahlsfeiern. Unvorstellbar, daß Menschen ohne Zustimmung der Amtskirche das Abendmahl miteinander teilten und andere tauften. Und daß das alles ohne ordnungsgemäß or­dinierte Pfarrer geschah. Im Verborgenen in Privathäusern, nicht in Kirchengebäuden. Das System der Volkskirche, der alle Bewohner eines Landes durch Geburt angehörten, geriet in di­rekten Widerspruch zu einer Kirche als Gemeinschaft freiwilligen Glaubens, deren Glieder als mündige Erwachsene in die Nachfolge Jesu traten. Das Kirchenverständnis der Volkskirche und das der Täufer waren unvereinbar. Was den Täufern wichtig war, war in den Augen Luthers rei­ne Blasphemie. Nach seiner ersten Schrift gegen die Täufer Von Schleichern und Winkelpredi­gern ließ er weitere Schriften und Predigten folgen, voll bitterer Beschimpfungen gegen jene, die „allenthalben ihren Samen säen und Gift ausblasen, wenden die Leute ab von ihren Pfarrkirchen“.7 Auch Luther wollte Veränderungen. Doch was die Refor­matoren jedoch nicht tolerieren konnten, was ihnen Angst machte und sie mit Wut gegen die Täufer erfüllte, war deren hohe Achtung gegenüber der eigenen inneren Überzeugung und ihre gleichzeitige Geringschätzung der Stimme der Kirche. Luther warf ihnen vor, ihre ketzerische Hartnäckigkeit, einem inneren Wort zu folgen, vernichte das geschriebene Wort Gottes. In ge­wisser Weise hatte er recht. Die Täufer folgten der Schrift und ihrer „rechten“ Auslegung nicht in der Weise, die Luther sehen wollte. Sie folgten einem Menschen. Und indem sie dem Men­schen Jesus – statt Luthers Kirche oder seiner Bibel — nachfolgten, fiel ihnen der Faden in die Hand, der das Gewebe der Zivilisation auseinanderreißt. Das erkannten die Reformatoren und sie wußten sich nicht anders zu helfen, als die Todesstrafe zu befürworten.

Die Kirche sollte nach Luther dadurch zusammengehalten werden, daß nur durch die Obrigkeit lizenzierte Prediger das Gotteswort verkündigen dürfen: „wo man nicht auf dem Beruf oder Befehl fest stünde und dränge, würde zuletzt keine Kirche nirgend bleiben. Denn gleich wie die Schleicher unter uns kommen, und unsere Kirchen zertrennen und verwüsten wollen, also wür­den hernach auch andere Schleicher in ihre Kirchen kommen, und zer­trennen und verwüsten, und fortan würde des Schleichens und Trennens, eins über das andere, nimmermehr kein Ende, oder müßte bald nichts mehr von keiner Kirche bleiben auf Erden“.8

Gewiß wollte auch Luther Christus dienen; aber er war auch ein Kirchendiener. Wer nicht zwischen der kirchlichen Organisation und dem Leib Christi unterscheidet, der merkt nicht, daß er zwei Herren dienen will. Diese Überforderung, zwei Herren dienen zu wollen, wirkte sich bei Luther darin aus, daß er die Bibellehre so hinbog, daß der Schmale Weg erheblich verbreitert wurde. In der Politik ist es gang und gäbe, daß politische Entscheidungen die Gegenleistung für finanzielle Zuwendungen sind. In den Medien „bedanken“ sich Journalisten durch eine wohlwollende Berichterstattung für ihnen gewährte Vorteile. Ähnlich verhalten sich „rückgratlose Hoftheologen“ in der Theologie. Wie anders ist der Widerspruch zwischen folgenden Lutherworten zu verstehen?: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, daß es schon Priester Bischof oder Pabst geweihet sei“.9 und „Wer hat dich diesen Schleicher heißen herbergen, seine Winkelpredigt hören? Woher weißt du, daß der Befehl habe dich zu lehren, und du, von ihm zu lernen? Warum hast du es nicht dem Pfarr­herrn oder uns angesagt? Warum lässest du deine Kirche, da du getauft, gelehrt, berichtet bist, und dahin du gehörst durch GOttes Ordnung, und kreuchst in den Winkel? Warum richtest du ein Neues an, heimlich und unbefohlen? Wer hat dir Macht gegeben, dieses Kirchspiel zu tren­nen und unter uns Rotten anzurichten? Wer hat dir befohlen, deinen Pfarrherrn zu verachten, zu verurtheilen, zu verdammen im Rücken, ehe er verhört oder verklagt ist? Woher bist du solcher Richter über dei­nen Pfarrherrn, ja, auch dein eigener Selbstrichter geworden?“.10 „Dein ei­gener Selbstrichter“ – Luther hätte deutlicher sagen sollen: dein eigener Papst. Das erste Zitat stammt aus dem Jahre 1520, das zweite aus dem Jahre 1532. Beim ersten ging es darum, den Vorrang von Menschenlehre vor dem Gotteswort abzuwehren. Doch als andere durch ihre Bibelforschung zu anderen Erkenntnissen kamen, hat Luther umgedacht. Das ist eine moralische Verkommenheit, wie sie uns in der Politik ständig begegnet. Da erleben wir es ständig, wie hehre Ideale wie Ballast abgeworfen werden, wenn sie sich als hinderlich erweisen.

Wer es wegen Luthers Motiven als unerträglich empfindet, in dem hochgepriesenen Reformator einen Lumpen zu sehen, der möge bedenken, daß selbst unsere korrupten Politiker „edle“ Motive für ihre Korruption haben. Um eine Politik durchzusetzen, braucht man Mehrheiten. Da die Stimmen lediglich gezählt, nicht aber gewogen werden, liegt die Macht bei den vielen Deppen, die sich durch Gehirnwäsche manipulieren lassen. Und Propaganda kostet viel Geld. Und viel Geld gibt es nur als Gegenleistung für politische Entscheidungen. Das bedeutet: Der Zweck heiligt die Mittel. So ist es überall, wo Menschen etwas tun. Wo der Glaube fehlt, daß Gott es ist, der sein Reich baut, wenn Menschen selbst das Reich Gottes bauen wollen, dann bauen sie dadurch sein Reich, daß sie die Wege Gottes verlassen. Ein biblisches Beispiel ist die Verwerfung Jesu durch die damalige geistliche Führung. Tatsachen (viele Wunder, Blindenheilung, Auferweckung des Lazarus) sollten geheimgehalten werden. Sogar den Lazarus wollte man töten, weil Leute aus dem nahen Jerusalem zu ihm nach Bethanien kamen und an Jesus glaubten (Joh. 12,10f). Pilatus, der von Jesu Unschuld überzeugt war, wurde zur Rechtsbeugung erpreßt. Nach der Auferstehung hatte man die Jünger verleumdet, sie hätten Jesu Leib gestohlen. Später wurde die Verbreitung der Auferstehungsbotschaft verboten, und überall im Römischen Reich hatten Juden zu Christenverfolgungen angestachelt. In dem gleichen Stil, dem Reich Gottes dadurch zu dienen, daß man die Wege Gottes verläßt, haben die Päpste gehandelt. Und diese Tradition führte Luther fort. Luther wollte die bisherige Papstkirche nicht zerstören, sondern lediglich reformieren. Daher betonte er die Gemeinsamkeiten, die auch in der Abwehr gemeinsamer Feinde lag. Und gemeinsame Feinde waren die Wiedertäufer, die direkt Jesus Christus nachfolgten und sich daher durch keine staatlichen oder kirchlichen Obrigkeiten von ihrem Wege abbringen ließen, wenn sie ihn für den Weg Gottes hielten.

Der große Haß auf die Wiedertäufer, der Luther mit den Katholiken verband, hatte seine Ursache darin, daß „getroffene Hunde bellen“. Die Wiedertäufer sind eine Reaktion auf die sittliche Verwilderung, die die Predigt des „allein aus Glauben ohne Zutun der Werke“ bewirkte. Jesus sagt: „Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber haßt sie, denn ich bezeuge ihr, daß ihre Werke böse sind“ (Joh. 7,7). Auch die Wiedertäufer bezeugten den Reformatoren, daß ihre Werke böse sind. Deshalb wurden sie von ihnen ebenso gehaßt wie Jesus, dem sie nachfolgten, gehaßt worden war. Im Blick auf die heutige Schwarz-Weiß-Malerei der Siegergeschichtsschreibung ist zu fragen: Hat Jesus seine Nachfolger beauftragt, Irrlehrer zu verfolgen; oder hat er ihnen vorhergesagt, daß sie verfolgt werden? Damit sich diese Frage gar nicht erst stellt, werden Luthers Rufe nach dem Henker von seinen Hagiographen ebenso verschwiegen, wie in der DDR verschwiegen worden war, was die Sowjetarmee bei der „Befreiung“ Deutschlands noch tat außer Essen zu verteilen. Man sollte diese Rufe wegen der vielen richtigen Worte des Reformators ohnehin nicht für möglich halten. Aber wenn wir das Reich Gottes bauen, dann heiligt der Zweck die Mittel wie damals zur Zeit Jesu, wie bei den Päpsten und wie überall sonst in der Welt. Wenn es die geänderte Situation erfordert, werden die eigenen hehren Ideale wie Ballast entsorgt.

Wie die eigene richtige Lehre ignoriert wurde, beschreibt ein Zeitgenosse Luthers: „Merket, liebe Brüder, wie fern doch die ganze Welt von Gott und Gottes Wort ist, wie schnell ihre Füße sind, unschuldig Blut zu vergießen, wie bitter sie das Licht hassen, und wie feindselig sie die ewig seligma­chende Wahrheit, das reine, unbefleckte Evangelium unseres Herrn Jesu Christi, das fromme, gottselige Leben aller Heiligen verfolgen, schmähen und ausrotten. Solches tun nicht nur die Papisten und Türken, sondern auch diejenigen, die sich des heiligen Wortes rühmen; die, welche anfänglich viel von dem Glauben predigten und lehrten, nämlich daß derselbe eine Gabe Gottes sei und nicht mit dem eisernen Schwert aufgedrungen werden, sondern allein durch das Wort, in die Herzen der Menschen kommen müsse, denn er (der Glaube), sei eine freiwillige Hingabe des Herzens.

Aber die Gelehrten haben in den letzteren Jahren diese Lehre wieder unter­drückt, und, wie mir scheint, dieselbe gänzlich aus ihren Büchern gewischt, denn seit der Zeit, daß sie Herren, Fürsten, Städte und Länder zu ihrer freien, fleischli­chen Lehre gezogen haben, ist gerade das Gegentheil von ihnen demonstriert wor­den, wie aus ihren Schriften ersichtlich ist. Sie überliefern mittelst ihrer aufrühreri­schen Predigten und Schriften viele fromme Herzen in die Hand des Henkers, wel­che ihnen mit dem klaren, lautern Wort Gottes widersprechen, strafen und ermah­nen, und ihnen den rechten Grund des Evangeliums anweisen, welcher besteht in einem kräftigen, durch die Liebe wirkenden Glauben, einem bußfertigen, neuen Le­ben, einem Gehorsam gegen Gott und Christum, und der rechten, evangelischen Ordnung in Bezug auf Taufe, Nachtmahl und Absonderung, wie sie Christus Jesus selbst eingesetzt und befohlen hat, und wie sie von seinen Aposteln gelehrt und ge­übt wurden.“11

Da Luther ein Kirchendiener war und da auch er nicht zwei Herrn dienen konnte, mußte er das Gotteswort so hinbiegen, wie er es zur Bekämpfung der Wiedertäufer für erforderlich hielt. Er „mußte“ deren Predigtverbot aus dem Gotteswort herleiten. Daß geschrieben steht: „Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Laßt alles geschehen zur Erbauung“ (1. Kor. 14,26), wurde einfach ignoriert. Der allgemeine Missionsbefehl „Gehet hin in alle Welt …“ (Matth. 28,28f) sei ein Befehl an die Apostel damals, nicht aber an uns heute. Heute habe jeder Prediger einen Ruf für ein bestimmtes Gebiet. So hatte Luther z. B einen weltweiten Ruf vom Papst. Dieser wurde ihm allerdings wieder aberkannt. Doch auch da war er um eine Ausrede nicht verlegen, die uns aber deshalb nicht zu interessieren braucht, weil es dem Reformator ohnehin nicht um Bibelauslegung ging, sondern nur darum, das Predigtverbot für Wiedertäufer als schriftgemäß erscheinen zu lassen. Auch in späterer Zeit wurde mit der Behauptung, Jesu allgemeiner Missionsbefehl würde für uns heute nicht mehr gelten, die Untätigkeit auf dem Gebiet der Heidenmission gerechtfertigt.12

5. Predigtmonopol und Bußsakrament

Wenn nur lizenzierte Prediger nicht nur innerhalb der Kirchgebäude, sondern in einem politischen Gebiet das Gotteswort verkündigen dürfen, dann entscheidet die Obrigkeit über den Inhalt der christlichen Verkündigung, und zwar nach politischen Gesichtspunkten. Wie sich das auswirken kann, zeigt der bereits beschriebene Fall von Pastor Paul Schneider, dessen Verkündigung den Nazis mißfiel.

Daß es ein Sakrament der Priesterweihe gäbe, wodurch sich die Geweihten von anderen Getauften unterscheiden würden, verneinten die Reformatoren. Denn dann wäre man von geweihten Bischöfen abhängig, um die Priesterweihe empfangen zu können. Aber das, was wirklich geglaubt wird, widerspricht oft dem Richtigen, das in irgendwelchen Lehrdokumenten steht. Die „heilige Ordination“ eines Predigers, die in Wirklichkeit nichts weiter ist als eine Amtseinführung, wird als Priesterweihe empfunden. Das zeigt sich auch darin, daß er bei einem Gemeindewechsel nicht erneut ordiniert wird. Der Talar, den wie eine Polizeiuniform nicht jeder tragen darf, suggeriert ebenfalls die nicht vorhandene Priesterweihe. Und das hat Konsequenzen für das Bußsakrament. Jesus hat dem Petrus und den anderen Aposteln die besondere Vollmacht gegeben, Sünden zu behalten und zu vergeben. Nach römischer Lehre sei diese apostolische Vollmacht auf die Bischöfe durch deren Weihe übergegangen, und diese üben sie durch ihre geweihten Priester aus. Trotz der formalen Verwerfung des Papsttums stehen folgende Worte im Kleinen Katechismus, allerdings nicht im Konkordienbuch: „Ich glaube: Was die berufenen [durch wen berufen? geweihten?] Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln – auch dann, wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeinde ausschließen und die, die ihre Sünden bereuen und sich bessern wollen, wieder lossprechen –, das ist ebenso kräftig und gewiss auch im Himmel, als handelte unser lieber Herr Christus selbst an uns“. Diese Formulierung war für das Konkordienbuch wohl doch zu katholisch. Aber im Konkordienbuch steht folgender bedenklicher Satz: „Die Beichte besteht aus zwei Stücken: das erste, dass man seine Sünden bekenne, das zweite, dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtvater empfange als von Gott selbst und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden sind dadurch vergeben vor Gott im Himmel“. Auch in Art. 28 des Augsburgischen Bekenntnisses steht, daß die Bischöfe (auch als Gemeindepastoren verstanden) Macht haben, Sünden zu vergeben und zu behalten (§ 5-7 und § 20-23).

Zur Zeit des Pietismus konnten viele nicht glauben, daß völlig gottlose Pfaffen ohne Glauben aber mit einem Amt Sünden vergeben könnten „als von Gott selbst“. Wenn irgendwelche Menschen auch ohne Priesterweihe die Vollmacht haben Sünden zu vergeben, dann fragte die Immanuelsynode der altlutherischen Kirche zu Recht: „Kann das Oberkirchenkollegium Sünden vergeben?“ Wenn Prediger auch ohne Priesterweihe Sünden vergeben können, dann wird die Frage relevant, ob der Sechsjährige, der zu Weihnachten eine Weissagung aufsagt, schon ein Prediger ist. Wenn das Amt der Schlüssel, das Jesus den Aposteln gegeben hatte, weitergegeben wurde, dann stellt sich die Frage: Wodurch wurde es an wen weitergegeben?

Wenn die Kirche das Amt der Schlüssel hat, dann stellt sich die Frage: Wer oder was ist die Kirche? Ist nur die Ortsgemeinde Kirche oder auch ein überregionaler Gemeindeverband? Für die Reformatoren, die lediglich Irrlehren überwinden, die Kirche aber erhalten wollten, war selbstverständlich nicht nur die Ortsgemeinde Kirche. Und deren Kirchenverständnis nahmen Auswanderer nach Amerika mit. Ein Sonderfall ist die Missourisynode. In Deutschland trennten sich Lutheraner von ihrer Landekirche. Ohne einer Kirche anzugehören, wanderten sie nach Amerika aus, wo sie ohne Kirche dastanden. Dort erkannten sie aus der Schrift, daß es Kirche ist, wenn Gläubige zu einer Gemeinde zusammenkommen. Sie können Prediger berufen, die auch die Sakramente und das Amt der Schlüssel verwalten. Daß auch der überregionale Gemeindeverband Kirche ist, wurde bestritten. Die Gründung der Lutherischen Freikirche in Deutschland um das Jahr 1870 wurde von der Missourisynode beeinflußt, und die Freikirche hatte deren Kirchenverständnis. Doch diese Lehre veränderte sich allmählich hin zu dem sonst überall im Luthertum selbstverständlichem und von den Reformatoren aus der römischen Vergangenheit beibehaltenem Verständnis, daß auch der größere Gemeindeverband Kirche sei. Doch diese Rückkehr zum Verständnis der Reformatoren wurde als Neuerung empfunden, und es kam zur Spaltung innerhalb der Lutherischen Freikirche. Wenn das Amt der Schlüssel weitergegeben wurde, dann stellt sich die Frage, an wen. Wenn nur Amtsträger das Abendmahl austeilen dürfen, dann brauchen wir Personen mit einer Pseydopriesterweihe. Wenn nur eine institutionalisierte Ortsgemeinde das Abendmahl verwalten darf, dann stellt sich die Frage, ob eine beliebige Zusammenkunft Getaufter, z. B. eine Pastorenkonferenz, das Abendmahl feiern darf.

6. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matth. 7,16)

Ist das Gotteswort erst einmal aus dem Blick geraten wie bei den Theologen zur Zeit Jesu, wenn auch heute wie damals die menschliche Klugheit die Lehre ausgestaltet, dann ergeben sich viele Detailfragen über das Aussieben von Mücken, während in anderen Bereichen Kamele verschluckt werden. Mit großer Gelehrsamkeit wurden zur Zeit Jesu Mücken ausgesiebt, aber das Wichtigste im Gesetz (Recht, Barmherzigkeit, Glaube Matth. 23,23) wurde übersehen. Man baute das Reich Gottes, dabei hatte man Jesus verworfen. Stephanus wurde gelyncht, weil er diesen Eiferern für die Sache Gottes, die in der Tradition der ermordeten Propheten gesehen werden wollten, zeigte, daß sie in Wahrheit die Tradition der Prophetenmörder nicht nur fortführen, sondern die Prophetenmörder sogar dadurch übertreffen, daß sie auch noch den von den ermordeten Propheten verheißenen Messias ermordet haben. Und diese Tradition der Prophetenmörder und der Mörder Jesu führte Luther fort. Natürlich waren die Wiedertäufer Irrlehrer. Aber indem man entgegen der Weisung Jesu aber gemäß der Weisung Luthers das Unkraut ausgerauft hat, hat man mit dem Unkraut auch den Weizen mit ausgerauft (Matth. 13,29f).

Jesus wurde gehaßt und ermordet, weil er der Welt bezeugte, daß ihre Werke böse sind (Joh. 7,7), und weil ihm alle Welt nachlief (Joh. 12,19; Joh. 11,47f). Auch die Wiedertäufer bezeugten der Welt, einschließlich den Reformatoren, durch ihr heiliges Leben, daß ihre Werke böse sind. So klagte ein Zeitgenosse: „Unter den ketzerischen Sekten gibt es keine, die nach außen ein so bescheidenes und frommes Leben führt wie die Wiedertäufer. Sie sind untadelig in ihrem äußerlichen Leben. Sie lügen nicht. Sie täuschen, schwören, kämpfen nicht und reden keine bösen Worte. Sie meiden Völlerei und Trinken. Man findet an ihnen nichts als Bescheidenheit, Geduld, Aufrichtigkeit, Reinlichkeit, Mäßigung und Ehrlichkeit in solchem Ausmaß, dass man fast annehmen müsste, sie hätten den Heiligen Geist Gottes“.13

Jesus sagt: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matth. 7,16). An den Früchten der Lutheraner erkannte der Wiedertäufer Menno Simon, daß an deren Lehre etwas nicht richtig sein kann: „Sind unsere Verfolger nun Christen, wie sie meinen, warum sind sie dann nicht von Gott, und Gottes Wort geboren? Warum sind sie denn noch die alte, verfluchte Creatur, und leben nach den Lüsten ihres Fleisches? Warum lassen sie sich denn von des Teufels Geist treiben? Warum haben sie denn noch alle ihre Gedanken auf die vergänglichen und zeitlichen Dinge gerichtet, um welche sie Tag und Nacht be­kümmert sind? Warum fließet denn ihr Mund noch über von Unkeuschheit, Eitel­keit, Lügen, Fluchen und Schwören? Warum fürchten sie denn Gott und sein Wort nicht? Warum sind sie denn der verführerischen, alten Schlange in der Natur noch gleich und ihrem Willen gehorsam? Und warum sind sie denn noch gleich den schrecklichen, reißenden Wölfen, den Raubthieren und Raubvögeln, anstatt wehrlo­se, unschuldige Schafe und Tauben zu sein, wie die Schrift lehrt.

Ach, liebe Brüder, laßt sie rühmen wie sie wollen, Christus Jesus kennet solche gottlose und blutdürstige Christen nicht. Er kennet allein die, welche seinen Geist haben, ihm von ganzem Herzen glauben und gehorsam sind, die demütig, niedrig, gottesfürchtig, heilig und rein von Herzen sind, die Christum Jesum bekennen mit Mund und Leben vor diesem bösen und argen Geschlecht, die sich selber verleug­nen, das Kreuz Christi auf sich nehmen und ihm nachfolgen, indem sie mit dem hei­ligen Paulo sagen: ‚Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?’ Sie kennen keinen Ruhm, ausgenommen den des Kreuzes unseres Herrn Jesu Christi, durch welches sie der Welt gestorben sind, und die Welt ihnen. Alle die, welche so gestimmt sind, sind die Gesalbten Gottes, sind Heilige und Christen; dieses sind aber nicht die un­bußfertigen, fleischlichen und blutdürstigen Großsprecher. Möge ein Jeder einge­denk sein, daß dies die Wahrheit ist, oder die ganze Schrift ist unwahr“.14

7. Die Konfirmation

Bis heute werden üble Früchte bei den „Lutheranern“ darauf zurückgeführt, daß man ihnen unterstellt, sie würden eine Bekehrung nicht für nötig halten, da sie durch ihre Säuglingstaufe bereits wiedergeboren sind. Dagegen gründen Wiedertäufer bis heute ihre Gotteskindschaft auf ihre bewußte Entscheidung, zu der sie aufgrund eines durch Adams Sündenfall zwar erheblich geschwächten jedoch nicht völlig vernichteten „freien Willens“ fähig wären. Die Taufe betrachten sie lediglich als öffentliches Bekenntnis zu ihrer zuvor vollzogenen „Entscheidung“. Da ein Neugeborener nichts bekennen kann, betrachten sie die nur Säuglingsgetauften als ungetauft.

Der persönliche Glaube eines Menschen ist zu unterscheiden von dem Inhalt irgendwelcher Papiere von der Organisation, deren Mitglied er ist. Und so gab es damals und gibt es auch heute fließende Übergänge von der biblischen Erkenntnis, daß wir tot (nicht nur erheblich geschwächt) waren in Übertretung und Sünde (Eph. 2,1), so daß wir uns nicht für Christus entscheiden konnten, und der wiedertäuferischen Entscheidungstheologie. Das führt zu dem Gefühl, daß die Neugeborenentaufe keine vollständige Taufe sei und deshalb einer Ergänzung bedürfe. Diese wird in der Konfirmation gesehen. Die Konfirmation, die es seit 1539 gibt, kann man als Kompromiß zwischen dem Anliegen der Wiedertäufer und der Tradition der Säuglingstaufe sehen. Wer meint, daß die Sitte der Säuglingstaufe lediglich sehr alt sei, jedoch nicht auf die Apostel zurückgehe, der kann unsere heutige Praxis dennoch für gerechtfertigt halten, da der Bekenntnisakt, der zur Taufe gehöre, in der Konfirmation nachgeholt wird, die biblische Taufe somit in zwei Raten erteilt werde. Diese Auffassung gibt es im reformierten Bereich. Orthodoxe Lutheraner lehnen sie natürlich ab. Aber der wirkliche Glaube ist von den Richtigkeiten zu unterscheiden, die in irgendwelchen Büchern stehen.

Formal gilt die Konfirmation nicht als Sakrament, wird aber als Sakrament empfunden. Würde die Konfirmation lediglich für ein Bekenntnis zu Christus gehalten werden, wie es offizieller lutherischer Lehre entspricht, dann bliebe unerklärt, warum sie wie die Taufe nur einmal im Leben vollzogen wird. Wenn jemand wie der jüngere der beiden verlorenen Söhne das „Vaterhaus“ verläßt und in der Fremde der Sünde fröhnt und wenn er ins „Vaterhaus“ zurückkehrt, dann wird er nicht erneut getauft. Daß er auch nicht erneut konfirmiert wird, zeigt, daß die Konfirmation wie die Taufe und wie die Priesterweihe bzw. die „heilige Ordination“ als Pseydopriesterweihe als Sakrament empfunden wird, dessen Spendung niemand rückgängig machen kann und die folglich keiner Wiederholung bedarf. Die Konfirmation ist somit ein von Menschen gestiftetes Pseydosakrament zur Abwertung der Heiligen Taufe. Ist erst einmal die biblische Tauflehre durch die baptistische Entscheidungstheologie verdrängt und wird es bewußt, daß die Konfirmation nicht biblischen Ursprungs ist, dann korrodiert die Gewißheit, daß Jesus unabhängig vom persönlichen Glauben des Täuflings jemanden, der geistlich tot ist, lebendig macht, wie er den toten Lazarus lebendiggemacht hat, ohne ihn vorher zu fragen, ob er lebendiggemacht werden will.

8. Rechtfertigungslehre

Daß bei den säuglingsgetauften Mitmenschen so wenig von dem neuen Leben in Christus zu sehen war, führte der Wiedertäufer Menno Simon auf eine falsche Weichenstellung in deren Rechtfertigungslehre zurück: „Die Lutherischen lehren und glauben, daß uns der Glaube allein selig mache, auch ohne irgend welches Zuthun der Wer­ke. Diese Lehren halten sie mit solcher Strenge aufrecht, als ob Werke ganz und gar unnöthig wären; ja, als ob der Glaube von solcher Art und Natur sei, daß er kei­ne Werke neben sich zulassen oder leiden könne. Und darum muß auch Jacobi hochwichtiger, ernster Brief (weil er eine solche leichtfertige, eitle Lehre und sol­chen Glauben strafet) als strohern von ihnen angesehen und erachtet werden.“15

Die traditionelle lutherische Rechtfertigungslehre läßt sich durch eine Lokomotive veranschaulichen, die für die Rechtfertigung steht. An ihr hängen die Waggons der Heiligung. Eine Lokomotive bleibt auch dann eine Lokomotive, wenn keine Waggons angekoppelt sind. Wir „werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist“ (Röm. 3,24). Offensichtlich ohne Verdienst ist der eine Kriminelle selig geworden, der mit Jesus gekreuzigt worden war. Doch andererseits sagt Christus beim Weltgericht: Ich bin hungrig, durstig, ein Fremder, krank, im Gefängnis gewesen, und ihr habt … (Matth. 25,35f). Hier zählt er lauter Werke auf. Es bereitet den „lutherischen“ Predigern viel Mühe, diese Worte Jesu so hinzubiegen, um den Widerspruch zu dem „allein“ zu verbergen, das Luther in Röm. 3,28 zum Gotteswort hinzugefügt hat. Diese Hinzufügung zum Gotteswort wird dadurch gerechtfertigt, daß außer dem Glauben alles andere ausgeschlossen sei. In der Tat sind unser Verdienst (Röm. 3,24) und die Gesetzeswerke (V. 28) ausgeschlossen. Doch was ist mit den Glaubenswerken? Jesus sagt zu denen zur Rechten, sie hätten Hungrige gespeist, Nackte bekleidet, Fremde beherbergt. Wie ist es möglich, daß sie davon nichts wissen, obwohl sie das alles getan hatten? Der Pharisäer im Gleichnis vom betenden Pharisäer und Zöllner kannte seine „guten“ Werke, ebenso die Almosengeber, die vor sich posaunen ließen (Matth. 6,2). Denn das waren Gesetzeswerke, durch die sie selig werden wollten. Dagegen haben die zur Rechten lediglich ihren Glauben ausgelebt. Denn Glaube ist nicht eine folgenlose Zustimmung zu irgendwelchen Richtigkeiten, sondern er ist die Grundlage jeden Handelns. Handelt jemand entgegen seinen Worten, dann hat er über seinen Glauben gelogen. Wie ein gesundes Kind zappelt und Krach macht ohne sich bewußt zu sein, ein Werk zu vollbringen, so wurde bei denen zur Rechten lediglich die DNA ihres Glaubens sichtbar. Diesen Sachverhalt illustriert Jesus durch das Bild vom guten Baum und dessen guten Früchten (Matth. 7,17f).

Doch diese Lehre blieb dem Luther verborgen. Denn Luther war ein fauler Baum, der üble Früchte des Blutvergießens hervorbrachte. Daher wußte er nicht, daß es auch Glaubenswerke geben könnte, die aus dem Glauben ebenso herauswachsen wie die guten Früchte aus einem guten Baum. Werke konnte er sich nur als Gesetzeswerke vorstellen, durch die man etwas erreichen will. Und die sind in Röm. 3 in der Tat ausgeschlossen. Und so fügt er ein „allein“ zum Gotteswort hinzu. Am Seminar der Lutherischen Freikirche in Leipzig hatte ich gelernt, daß die guten Früchte eines guten Baumes die Lehre sei. Denn die Werke seien unvollkommen, die Lehre aber rein. Zumindest hatten das damals die „lutherischen“ Bluthunde sich gegenseitig bescheinigt. Durch Gesetzeswerke selig werden – besonders wenn die Gesetzeswerke lediglich von Menschen erdacht worden waren – das hatte Luther als Irrweg erkannt. Doch dabei hatte er „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Denn der Prophet Jeremia schreibt über die neutestamentliche Heilszeit: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein“ (Jer. 31,33). Das ist die Lehre von dem guten Baum und dessen guten Früchten. Von daher wird Gesetzlosigkeit im Neuen Testament negativ gewertet. Doch Luther war ein Prediger der Gesetzlosigkeit. Anstatt seine Lehre an die Bibel anzupassen, entschärfte er das Gotteswort, indem das Wort „Gesetzlosigkeit“ – griechisch anomia (Matth. 7,23; 13,41; 23,28; 24,12; Röm. 4,7; 6,19; 2. Kor. 6,14; 2. Thess. 2,3.7; Tit. 2,14; Hebr. 1,9; 10,17; 1. Joh. 3,4) – nirgendwo in seiner Übersetzung des Neuen Testaments vorkommt. Durch die Werke des Gesetzes wird in der Tat niemand selig. Denn wie der Weihnachtsbaum durch die an ihm hängenden Äpfel nicht zum Apfelbaum wird, so ist andererseits ein Baum, den man beim Gärtner kauft, bereits ein guter Baum, obwohl er noch keine Früchte getragen hat. So verheißt Jesus dem Mitgekreuzigten das Paradies, obwohl er nach seiner Bekehrung keines der in der Predigt vom Weltgericht aufgezählten Werke getan hat.

9. Zweireichelehre

Wenn Gottes Gesetz im Herzen und im Sinn der Menschen geschrieben ist, wenn sie direkt ihrem Heiland nachfolgen, dann befürchteten sowohl die Reformatoren als auch die Obrigkeit, die Menschen schlechter lenken zu können. Dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herrscher kam Luther durch seine Zweireichelehre entgegen. Dabei ist die Zweireichelehre biblisch, aber durch eine kleine Ungenauigkeit hat Luther den Schmalen Weg erheblich verbreitert. Auch die Pharisäer hatten richtig gelehrt („alles, was sie euch sagen, das tut und haltet …“ Matth. 23,3). Deren kleine „Fehler“ waren lediglich so platziert, daß sie viel Bosheit ihres Herzens ausleben konnten, ohne dabei zu sündigen. Es sollte zu denken geben, daß bei den Geistesgaben in 1. Kor. 12 keine Gabe der Unterscheidung von reiner Lehre und Irrlehre genannt ist. Dafür lesen wir von der Gabe der Geisterunterscheidung (V.10). Welcher Geist führt zu welcher Bibelauslegung? So erkennt jemand, der den Geist Christi hat, in Luthers Ruf nach dem Henker die Stimme des Teufels, auch wenn er den hochgelehrten theologischen Hokuspokus nicht durchschaut. Nach Luther sind wir Bürger zweier Reiche, des Reiches Gottes und der Welt. Nach biblischer Lehre leben wir lediglich in zwei Reichen. Wir sind Bürger des Reiches Gottes, aber Fremdlinge (1. Petr. 1,1; 2,11) in der Welt und gerade keine Bürger. Der Himmel ist unsere Heimat. Nur in diesem Sinne können wir Nationalisten sein. „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh. 2,15-17). Als in Tessalonich Juden den Pöbel gegen Paulus und Silas aufhetzten, wiesen sie auf einen Punkt hin, der es den Gegnern der Christen immer wieder ermöglicht, sie als Staatsfeinde zu diffamieren: „Diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus“ (Apg. 17,7). Doch die ersten Christen waren untertan der römischen Obrigkeit, somit hatten sie zwei Herren. Oder? Dem, daß wir zwei Herren dienen würden, wird mit der Behauptung widersprochen, daß es derselbe Christus ist, der die beiden grundverschiedenen Reiche regiert, sein Reich zur Rechten und sein Reich zur Linken. Somit würden wir nur einem Herren dienen, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

In der Tat lehrt die Schrift, daß Christus alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden (Matth. 28,18). Und Gott nennt Nebukadnezar, der die Juden nach Babel weggeführt hatte, „meinen Knecht“ (Jer. 25,9; 27,6). Aber wird dadurch das Babylonische Weltreich zum „Reich Gottes zur Linken“? Ist die biblische Vokabel Welt (im griechischen Urtext des Neuen Testaments: Kosmos) dasselbe wie „Reich Gottes zur Linken“? Im folgenden einige Bibelstellen, In denen das Wort Welt durch Luthers Formulierung „Reich Gottes zur Linken“ ersetzt wurde: Ihr werdet weinen und heulen, aber das Reich Gottes zur Linken wird sich freuen (Joh.16,20). Im Reich Gottes zur Linken habt Ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe das Reich Gottes zur Linken überwunden (Joh. 16,33). Nun ist (das) Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieses Reiches Gottes zur Linken hinausgeworfen werden (Joh.12,31). Christus verheißt, daß der Tröster die Welt überführen wird über … das Gericht, daß der Fürst dieses Reiches Gottes zur Linken gerichtet ist (Joh. 16,11).  …die ihr tot waret In euren Übertretungen und Sünden, in welchen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieses Reiches Gottes zur Linken, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams; … (Eph. 2,10). Denn nicht ist unser Kampf gegen Blut und Fleisch, sondern gegen Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Reich-Gottes-zur-Linken-Beherrscher dieser Finsternis … (Eph. 6,12).

Es ist offensichtlich, daß durch diese Wiedergabe die Aussage der zitierten Bibelstellen erheblich verfälscht wird. Wenn die Welt etwas anderes ist als „Reich Gottes zur Linken“, ist sie dann nicht vielleicht das Reich des Teufels? Jedenfalls bezeichnet Jesus den Teufel als „Fürst dieser Welt“ (Joh. 12,31). Aber ist die Welt ein Reich des Teufels? Der Teufel beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen Ja, wie wir von der Versuchung Jesu her wissen. Dort sagt er zu Christus: „Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will“ (Luk. 4,6). Da das aber die Worte des Erzlügners sind, beweisen sie weder, daß der Teufel in der Lage ist, die Macht zu geben, wem er will, noch beweisen diese Worte, daß der Teufel beabsichtigt, sein Versprechen einzuhalten und Macht abzugeben. Jesus Christus spricht jedenfalls bei seiner Himmelfahrt: „Mir (also nicht dem Teufel) ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ (Matth, 28,18).

Weil viele Gläubige aus der Schrift wissen, daß Jesus alle Gewalt auch auf Erden gegeben ist, weil viele Gläubige auch aus vielen biblischen Berichten wissen, daß Gott Könige ein- und absetzt, weil viele Gläubige z. B. aus Röm. 13,4 wissen, daß es Gott ist, der der Obrigkeit das Schwert gibt, deshalb stimmen sie der Lehre Luthers zu, daß die politischen Reiche auch „Reich Gottes“ seien, wenn auch nur „Reich Gottes zur Linken“. Christus regiert in der Tat zwei völlig verschiedene Reiche, aber auf unterschiedliche Weise. Doch bedeutet das, daß der einzelne Gläubige Bürger beider Reiche ist, wie Luther meinte? Wir sind Bürger des Reiches Gottes, aber gerade keine Bürger der Welt, sondern Fremdlinge In der Welt. Jesus sagt: „Siehe ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Matth. 10,16). Das heißt, wir sind in der Welt ebenso Fremdlinge, wie Schafe in einem Wolfsrudel Fremdkörper sind. Allerdings schützt der Christus, dem alle Macht auch auf Erden gegeben ist, seine Schafe, so wie er seinerzeit einen Daniel in der Löwengrube geschützt hatte. Aber dadurch wird die Wolfsgesellschaft noch nicht zur Schafherde Jesu, die Wölfe werden dadurch nicht zu Jesu Schafen, die auf Jesu Stimme hören; und diese Wolfsgesellschaft wird dadurch auch nicht zum „Reich Gottes zur Linken“. Die Wölfe empfinden sehr zutreffend, daß Jesu Schafe einen anderen König haben als den Leitwolf irgendeines Wolfsrudels.

Doch Luther hatte anders empfunden. Luther war ein mittelalterlich denkender Mensch, dessen Denken von der Einheit der angeblich christlichen Gesellschaft ausging. Zwar hatte er richtig erkannt, daß es zwei grundverschiedene Reiche gibt, die beide unter Gottes Kontrolle stehen. Aber der mittelalterlich denkende Luther ging davon aus, daß jeder Staatsbürger beiden Reichen angehöre. Würde aber jeder Staatsbürger in der Tat beiden Reichen angehören, so würde das bedeuten, daß ein- und dieselben Personen zweierlei wären: Sie wären erstens Schafe Jesu, die Christus mitten unter die Wölfe sendet. Sie wären zweitens Wölfe, unter die Jesus Christus seine Schafe aussendet. Durch den Schwindel von der christlichen Gesellschaft war es zur Zeit Luthers nicht im Blickfeld, und ist es häufig auch heute nicht im Blickfeld, daß die Gläubigen in einer Wolfsgesellschaft leben. Wie könnte denn Luther sonst behaupten, daß Gott und der Kaiser nicht widereinander seien?16 Durch den Schwindel von einer christlichen Gesellschaft hatte Luther nicht im Blick, daß das, was die Bibel über die kriminelle Energie der Gottlosen sagt, auf die eigene Obrigkeit zutreffen könnte. Erschrecken kann man, wenn man bei Luther liest, daß im weltlichen Bereich nicht Christi, sondern des Kaisers Wort gilt.17

Dabei enthält diese Aussage Luthers durchaus einen biblischen Kern. Denn Gott hat der Obrigkeit ein „Schwert“ gegeben, damit sie als Gottes Dienerin diejenigen bestraft, die Böses tun (Röm. 13,4). Solche Worte klingen ganz anders als die Bergpredigt. Als Gottes Dienerin schützt die Obrigkeit die Einwohner ihres Landes vor den Banditen im Inland und vor den Banditen aus dem Ausland. Letzteres bedeutet Krieg. Und so ist es seit Luther in der luth. Tradition immer gesehen worden, daß die Obrigkeit Kriege führen dürfe.

Dabei bringen Gläubige sich gegenseitig um. Doch das tun sie nicht als Bürger des Reiches Gottes zur Rechten, sondern als Waffenträger innerhalb des Reiches Gottes zur Linken. Nachdem im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 preußische Truppen Sachsen besetzten, das auf österreichischer Seite gekämpft hatte, besuchten auch preußische Soldaten die Gottesdienste und nahmen auch am Abendmahl teil. Das erregte Ärgernis, denn die Preußen waren uniert und die Sachsen lutherisch. Daß die Preußen erst kurz zuvor auf Sachsen geschossen hatten, spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle. Denn ausgestattet mit einer staatlichen Tötungslizenz, die einen Soldaten vom Mörder unterscheidet, mordete er –natürlich in Liebe – nicht in seiner Eigenschaft als Bürger des Reiches Gottes zur Rechten, sondern lediglich in seiner Funktion als Waffenträger innerhalb des Reiches Gottes zur Linken. Da man als Lutheraner die beiden Reiche unterscheidet, schließen Tötungshandlungen nicht vom Abendmahl aus, wohl aber die Irrlehren der Unierten Kirche.

Die Wiedertäufer waren nicht bereit, zwei Herren zu dienen. Die Irrtümer, denen sie trotz ihrer entschiedenen und oft tödlichen Jesusnachfolge dabei erlegen waren, sollen hier nicht thematisiert werden. Deren Irrtümer erscheinen wie Mücken im Vergleich zu den Kamelen einer Theologie, die nach dem Henker ruft. Luther verführte die Gläubigen zwei Herren zu dienen, indem er den Wiedertäufern die Zerstörung der Gesellschaft vorwarf, da sie angeblich wollten, „es soll keine Obrigkeit, kein Eid, kein Eigentum sein“.18„Kein Eigentum“ ist eine Halbwahrheit. Trotz Verfolgung, trotz Raubes ihrer Güter versorgten sie ihre bedürftigen Glaubensgenossen, so daß es in ihren Reihen keinen Bettler gab. Wenn sie durch ihre gelebte Jesusnachfolge den anderen Glaubensgemeinschaften, bei denen Luxus und Hunger nebeneinander existierten, bezeugten, daß ihre Werke böse sind, wurden sie für ihr heiliges Leben ebenso gehaßt, wie Jesus gehaßt worden war, weil er der Welt bezeugte, daß ihre Werke böse sind (Joh. 7,7).

Wenn die Wiedertäufer den Eid ablehnten, so lag die politische Brisanz im Untertaneneid, mit dem die Untertanen sich faktisch verpflichten sollten, zwei Herren zu dienen. Deutlich wird das durch folgendes Lutherzitat: „Und ein Bürger ist schuldig, wo solcher Winkelschleicher einer zu ihm kommt, ehe denn er denselbigen hört oder lehren läßt, daß er es seiner Obrigkeit ansage und auch dem Pfarrherrn, des Pfarrkind er ist. Thut er das nicht, so soll er wissen, daß er als ein Ungehorsamer seiner Obrigkeit wider seinen Eid thut, …“.19 Während die Wiedertäufer direkt auf die Stimme ihres Guten Hirten hören, soll der Lutheraner nicht etwa die Lehre anhand der Schrift prüfen, ob der „Winkelschleicher“ evtl. ein Bote Jesu sei, sondern ihn bei der Obrigkeit und seinem Pfarrherrn denunzieren, „ehe er denselbigen hört oder lehren läßt“. Ob dieses von Luther geforderte Verhalten auch im Sinne Jesu ist, ist eine andere Frage. Jedenfalls war es im Sinne der Obrigkeit, und indem die Wiedertäufer sich von der Obrigkeit nicht befehlen ließen, die Wege Jesu zu verlassen, konnte man sie wie auch die Gläubigen aller Zeiten als Staatsfeinde verleumden, wie das auch in unserer Zeit z. B. bei Pastor Paul Schneider und in den kommunistischen Ländern gang und gäbe war. „Diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus“ (Apg. 17,7).

Wenn Luther die weltliche Obrigkeit auf die Wiedertäufer hetzte, so geschah das aus Sorge um den Fortbestand der Kirche: „wo man nicht auf dem Beruf oder Befehl fest stünde und dränge, würde zuletzt keine Kirche nirgend bleiben. Denn gleich wie die Schleicher unter uns kommen, und unsere Kirchen zertrennen und verwüsten wollen, also wür­den hernach auch andere Schleicher in ihre Kirchen kommen, und zer­trennen und verwüsten, und fortan würde des Schleichens und Trennens, eins über das andere, nimmermehr kein Ende, oder müßte bald nichts mehr von keiner Kirche bleiben auf Erden“.20 Diese Entgleisung widerspricht den vielen richtigen Worten in den Bekenntnisschriften und in anderen Schriften, daß die Kirche die Schafe sind, die ihres Hirten Stimme hören. Aber die Richtigkeiten in irgendwelchen Büchern ist das eine, doch der tatsächliche Glaube, der das Handeln bestimmt, das andere. Niemand widerspricht, daß die Rebe direkt am Weinstock hängt (Joh. 15) und daß Jesu Schafe auf die Stimme ihres Guten Hirten hören (Joh. 10). Aber der wirkliche Glaube ist der des Augustinus: „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“, was auch von „Lutheranern“ zustimmend zitiert wird. Das wird so verstanden, daß die Verbindung des Gläubigen mit Christus verläuft über den Papst, bei Luther über die Landeskirchen, bei den Neuapostolischen über den Stammapostel, bei den Zeugen Jehovas über die Wachturmgesellschaft oder bei anderen Gemeinden über irgendeinen Gemeindeleiter, der sich besonders dann als Papst aufspielt, wenn er sich auf eine kirchliche Tradition gründen kann und wenn er einen Konsensus repräsentiert. Aber Vorsicht: Auch in Israel hatte der Götzendienst Tradition und war mehrheitsfähig.

Wenn Luther mit den Fürsten paktierte, wenn er der weltlichen Obrigkeit irgendeine Befugnis einräumte mitzuentscheiden, wer in der Kirche predigen darf, dann trifft die „Lutheraner“ nicht, was man den Wiedertäufern mit Recht vorwerfen konnte: „Diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus“ (Apg. 17,7). Zwar lehren „Lutheraner“ das Königtum Jesu auch im Reich Gottes zur Linken, aber Jesu Entscheidungskompetenz wird eingeschränkt. Jesus gilt lediglich formal als Staatsoberhaupt wie der englische König, hat aber wie dieser nichts Wichtiges zu entscheiden. Wenn wir in dem Sinne Monarchisten sind, daß die Königsherrschaft Jesu sich weitgehend auf Repräsentation beschränkt, dann vermeiden wir die Verfolgung, die Jesus seinen Nachfolgern vorhergesagt hat und die die Wiedertäufer im Übermaß erfahren haben. Natürlich dürfen wir Christus dienen. Aber wir haben auch andere Pflichten. Wir sollen zwei Herren dienen. Sollte das in einem Einzelfall nicht möglich sein, dann soll das Gebot des „Kaisers“ den Vorrang haben. Wer diesen Vorrang ignoriert, der muß sich vorwerfen lassen: „Diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus“ (Apg. 17,7).

10. Heidentum im politischen Gewand

Die Verfälschung der biblischen Zweireichelehre ist auch in anderer Weise ein Weg, den Schmalen Weg erheblich zu verbreitern. Wenn irgendein antichristliches Heidentum im politischen Gewand daherkommt wie z. B. der amerikanische Demokratiefimmel, der Nationalismus, der Nationalsozialismus oder der Kommunismus, dann wird es dem Bereich der Politik zugeordnet, den die christliche Verkündigung wegen der Zweireichelehre nicht thematisieren dürfe.

Ein heidnischer Glaubensinhalt im politischen Gewand war das Deutsche Reich, das aus dem preußischen Staat hervorgegangen ist. Allein mit dem „Recht des Stärkeren“ raubte Friedrich II. im Jahre 1740 Schlesien von Österreich. Daraus ergaben sich der Zweite Schlesische Krieg und der Dritte Schlesische Krieg, auch Siebenjähriger Krieg genannt. Am Ende war Preußen Großmacht. Der erfolgreiche Raubmörder Friedrich II. wurde als „der Große“ bezeichnet. Denn Größe ist keine geistige oder moralische, sondern sie entspricht der zu ihren Glanzzeiten vergossenen Blutmenge. Und die Pfaffen schwafeln in der Kirche vom Heil in Christus, sie mögen auch irgendwelche Mücken der Irrlehre aussieben, aber der Lobpreis des Raubmördertums als „Größe“, das sei Politik und gehöre daher in den Bereich des Reiches Gottes zur Linken, auf den die christliche Verkündigung wegen der Zweireichelehre nicht eingehen dürfe. Andererseits haben christliche Choräle bei Raubzügen innerhalb des Reiches Gottes zur Linken ihre Funktion. So sangen die preußischen Grenadiere im Siebenjährigen Krieg auf dem Marsch in die Schlacht bei Leuthen im De­zember 1757 den Choralvers: „Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, daß ich’s tue bald zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich’s tu, so gib, daß es gerate wohl.“ Durch diesen christlichen Choral wird der Befehl eines skrupellosen Raubmörders zum Befehl Gottes. Und aus Sicht der preußischen Pro­paganda war es in der Tat wohlgeraten. Mit 29 000 Soldaten besiegte Preußen eine Übermacht von 66 000 Mann. Diesen Sieg konnte man sich nur durch den Beistand Got­tes erklären. Ein Grenadier stimmte den Choral „Nun danket alle Gott“ an, der schnell zum Hymnus der Erinnerungskultur Preußens wurde. Wenn antichristliche Könige wie „Friedrich der Große“ irgendeinen Einfluß auf den Inhalt der christlichen Verkündigung haben, dann wird eben Jesu Friedensbotschaft verhöhnt.

Wertungen geschichtlicher Vorgänge wirken als Handlungsanleitungen für die Gegenwart, und die vielgepriesenen Bluttaten der Vergangenheit werden nachgeahmt. Als sich im 19. Jahrhundert die Deutschen nach der deutschen Einheit sehnten, wie sich die Gläubigen nach ihrer himmlischen Heimat sehnen, inszenierte Bismarck drei Kriege. Der letzte war gegen den „Erbfeind“ Frankreich, den Bismarck mit schmutzigen Mitteln vorsätzlich herbeiführte. Dessen war er sich auch bewußt. Denn in einem Brief schrieb er selbst, daß er für seine Person das Prinzip der Legitimität sei­nem „spezifisch preußischen Patriotismus“vollständig unterordne.21 Damit meinte er, daß er den Willen Gottes der angestrebten Reichsgründung unterordnete. Wer zwei Herren dienen will, der muß eben Prioritäten setzen. Wie sehr Bismarck die Wege Gottes verließ, zeigen folgende Worte: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen, sondern durch Blut und Eisen!“22 und: „Die Bedeu­tung eines Volkes bestimmt sich nach der Zahl der Soldaten, die es ins Feld stellen kann. … Die Schwachen sind dazu da, von den Starken gefressen zu werden!“23 Das ist die Philosophie der Gangsterbanden, wie sie später in Mein Kampf entfaltet werden wird. Doch die schmutzigen Mittel spielten im Angesicht des Siegestaumels und des Jubels über die Reichsgründung, die innerhalb des Reiches Gottes zur Linken errungen wurde, keine Rolle.

Wozu brauchen wir Pastoren? Jeder kann doch selbst in der Bibel lesen. Das Gotteswort ändert sich nicht, und es wurden in den letzten Jahrhunderten jede Menge Predigten veröffentlicht, die wir lesen können. Was sich aber ändert, ist die Taktik des Teufels, und die Verkündigung muß darauf reagieren. Zur Zeit Jesu war die Verführung anders als der Baalskult zur Zeit Elias, und heute ist sie wieder anders. Über das Versagen der Prediger klagt schon der Prophet Jesaja: „Alle ihr Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne“ (Jes. 56,10). Außer den Gefallenen auf den Heldenfriedhöfen jubelten alle über die langersehnte deutsche Einheit. Da hätten die Prediger darauf hinweisen sollen, daß der Erfolg noch nicht beweist, daß der Weg gottwohlgefällig war, so wie das Gelingen eines Bankraubes auch nicht beweist, daß er unter dem Segen des Höchsten stand. Können wir uns einen Elia vorstellen, der zum Baalskult geschwiegen hätte? Weil nicht zitiert werden kann, was nicht gepredigt wird, deshalb sollen jetzt einzelne Entgleisungen zitiert werden: „Wir haben es ja mit unseren Ohren gehört und mit unseren Augen gesehen, was es ist um den Geist in einer Armee, um die begeisterte Hingebung für Fürst und Vater­land. In den großen Be­freiungskriegen zu Anfang dieses Jahrhunderts, wie in dem letzten großen Kriege war es nicht tief ergreifend zu sehen, wie unser ganzes Volk von Land zu Land, von Stamm zu Stamm, von Mann zu Mann von einer ungeahnten Begeisterung er­faßt ward, daß es auf­stand vom König bis zum Rekruten und das Schwert umgürtete, das heißgeliebte Vater­land zu schirmen; daß es dastand nicht als ein Heer von Söldnern, sondern als ein Volk in Waffen?“24 In einer anderen Predigt schreibt dieser Generalsuper­intendent und Consistori­alrat: „Es ist heute der zweite September, der Tag, an welchem wir gedenken der Groß­that unseres Gottes, als er vor dreizehn Jahren unserem greisen Heldenkaiser den Sieg verlieh über unseren alten Erbfeind und die königliche Botschaft durch alle Lande und Herzen widerhallte: ‚Welch´ eine Wendung durch Gottes Fügung!‘ Wem soll der erste Dank erschallen? Dem Gott, der groß und wunderbar Aus langer Schande Nacht uns al­len In Flammen aufgegangen war. Das läuten die Glocken, das donnern die Geschütze am heutigen Tage, und wir wollen im Hause des Herrn frohlocken und danken mit dem Liede Mirjams: ‚Lasset uns dem Herrn singen, denn er hat eine herr­liche That gethan.‘“25 Mit dem „heißgeliebte(n) Vaterland“ ist Deutschland gemeint und nicht der Himmel. Man diente dem Deutschen Reich innerhalb des Reiches Gottes zur Linken, das von dem König Jesus Christus regiert wird. Aber indem Bismarck selbst einräumte, daß er das Prinzip der Legitimität einem „spezifisch preußischen Patriotismus“ vollständig unterordnete, gab er indirekt zu, daß für ihn der Zweck die Mittel heiligt, daß auch er nicht zwei Herren dienen konnte und daß er deshalb Jesus zum Oberhaupt einer konstitutionellen Monarchie degradierte, vergleichbar mit dem König von England.

11. dem „Kaiser“ geben, was Gottes ist

Auch Christus lehrt die Unterscheidung der beiden Reiche, indem er sagt: „gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matth. 22,21) Er sagt: „was des Kaisers ist„. Er sagt aber nicht: Gebt dem Kaiser das, von dem er behauptet, es sei sein. Weil sie nicht dem Kaiser geben wollten, was Gottes ist, opferten Christen im Römischen Reich nicht den Götzen und wurden hingerichtet. Petrus mißachtete das Verbot, im Namen Jesu zu predigen. Die Wiedertäufer mißachteten das ihnen auferlegte Predigtverbot, da Christus sie beauftragt hat, das Evangelium in aller Welt zu verkündigen, und diesen Befehl Christi weder der Kaiser, noch der Papst, noch Luther aufheben kann. Die Frage ist: Wer bestimmt, was des „Kaisers“ und was Gottes ist? Bestimmt das Gott, oder kann der „Kaiser“ diese Grenze willkürlich ziehen? Hitler beantwortete diese Frage folgendermaßen: „Wir geben euch unbedingte Freiheit in eurer Lehre oder in eurer Auffassung der Gottesvorstellung. Denn wir wissen ganz genau: wir wissen darüber auch nichts. Eines aber sei ganz klar entschieden: Über den deut­schen Menschen im Jenseits mögen die Kirchen verfügen, über den deutschen Menschen im Diesseits verfügt die deutsche Nation durch ihre Führer“26. Und diese „Führer“ betrachteten sich nicht als Diener Christi. Also: Christus regiert im Himmel, und die Nazis regieren auf Erden. Und dieser Herrschaftsanspruch bezog sich auf den ganzen Menschen: „Heute beanspruchen die Volksführung wir, d. h. wir allein sind befugt, das Volk als solches – den einzelnen Mann, die einzelne Frau – zu führen. Die Lebensbe­ziehungen der Geschlechter regeln wir. Das Kind bilden wir!27. Auch diese Worte, die von heute stammen könnten, sind tatsächlich von Hitler. Dagegen sagt Jesus: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27).

Wer Jesu Anspruch nicht akzeptiert, ist ein Dieb und Räuber. Und die Diebe und Räuber, die rauben wollen, was Gottes ist, verfolgen und ermorden diejenige, die Jesu Schafe vor ihnen warnen. So wurde der Journalist Fritz Gerlich am. 9.3.1933 verhaftet, war schwersten Mißhandlungen ausgesetzt und wurde am 30. Juni 1934 im KZ Dachau ermordet. Denn er hatte schon vor 1933 auf das antichristliche und kriminelle Wesen der Hitlerreligion hingewiesen. Nachdem Fritz Gerlich ermordet worden war, bezeichnete Ernst Modersohn den Hitler als „Ein Gnadengeschenk Gottes an das deutsche Volk“.28 Wer wie Hitler Jesu Königsherrschaft auf den Himmel beschränkt, wer dem „Kaiser“ alles das gibt, von dem er behauptet, es sei sein, der wird nicht beschuldigt: „Diese alle handeln gegen des Kaisers Gebote und sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus“ (Apg. 17,7), der erfreut sich der „Glaubensfreiheit“, von der Zeitgenossen behaupteten, es hätte sie bei den Nazis gegeben, der erfreut sich der „Glaubensfreiheit“, von der allgemein gemeint wird, daß sie in unserem angeblich „freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat“ gewährleistet sei. Aber Pastor Paul Schneider wurde im KZ Buchenwald „gestorben“, denn er hatte in seiner Verkündigung die Unvereinbarkeit der Naziideologie mit der Lehre Jesu thematisiert.29 Viele andere Prediger, die ebenfalls keine Nazis waren, verbreiteten Jesu Botschaft, ohne von den Nazis behelligt worden zu sein.

Seine „Sturheit“ brachte Pastor Schneider ins Grab, was ihm von Anfang an klar gewesen sein mußte. Und mit ihm wurde das Pfund vergraben, das Christus ihm anvertraut hatte (Matth. 25,25). Das könnte man ihm vorwerfen wie auch den frühen Christen, die den heidnischen Götzen keine Weihrauchkörner hinstreuten, wie auch den Wiedertäufern, die sich von Luther nicht weismachen ließen, daß Jesu allgemeiner Missionsbefehl (Matth. 28,19) ihnen nicht gelten würde. Doch man kann die Sache auch so sehen, daß Pastor Schneider nicht der Eigentümer der ihm anvertrauten Botschaft war, er somit keine Vollmacht hatte, aufgrund menschlicher „Klugheit“ diese ihm von Gott anvertraute Botschaft eigenmächtig zu verkürzen. Keine Frage, daß genau das von ihm erwartet worden war. Von wem erwartet? Er wollte ein Diener Christi sein, war aber überfordert, ebenfalls den Nazis zu dienen. Er wurde somit deshalb „gestorben“, weil er nicht zwei Herren dienen konnte. Nach seinem Tod im KZ Buchenwald, der für einen natürlichen Tod gehalten werden sollte, der aber in kirchlichen Kreisen allgemein bekannt war, schrieb Pastor Ernst Modersohn in seiner Selbstbiografie: „Zur rechten Zeit hat Gott uns in Adolf Hitler den Führer gegeben, der unser Volk aus seiner tiefen Erniedrigung herausgeführt hat“.30 Diese Entgleisung ist deshalb erwähnenswert, weil die Blindheit der Blindenführer Tradition hat und bis in unsere Gegenwart fortbesteht. Pastor Schneider wurde u. a. beschuldigt, er hätte dem „Führer“ falsche Aussagen in Mein Kampf vorgeworfen.31 Doch in der von Pastor Modersohn herausgegebenen Zeitschrift Heilig dem Herrnempfahl ein Pastor dieses in der christlichen Harfe-Buchhandlung in Bad Blankenburg angebotene Predigtbuch des Teufels besonders der Jugend.32

Wie in der angeblich überwundenen dunklen Epoche deutscher Geschichte dürfen auch heute manche Aussagen des Gotteswortes nicht zu deutlich bezeugt werden. Ein Beispiel ist das mathematische Gleichheitszeichen zwischen Leibesfrucht und Mensch. Dieses hatte ich dadurch bezeugt, daß ich auf Flugblättern über die Ermordung der Kinder im Mutterleib in gleicher Weise geschrieben hatte wie über die Ermordung Erwachsener. Und da es politisch völlig korrekt ist, den Namen Hitlers im Zusammenhang mit Mord zu nennen, bezeichnete ich auf Flugblättern den Nürnberger Tötungsspezialisten Dr. Freudemann als „Berufskiller“. Das brachte mir insgesamt 8½ Monate Gefängnis ein. In einem Strafurteil stand es sogar schwarz auf weiß, worum es von Anfang an ging, und zwar, daß ich „feststehende Begriffe wie Mensch und Embryo“ „verdreht“ hätte.33 Etwa zur gleichen Zeit gingen am selben Gericht zwei Greise zivilrechtlich gegen die Bezeichnung „Mörder“ vor, da sie in ihrer Jugend in Übereinstimmung mit den damaligen Gesetzen Geiseln erschossen hatten. Sie unterlagen, weil die Bezeichnung „Mörder“ für ihre gesetzestreuen Menschentötungen unter dem Schutz des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung steht. Es gilt somit nicht gleiches Recht für alle. Die Justiz setzt somit das „Recht des Stärkeren“ durch; und diejenige, die den Kindermord zur gesellschaftlichen Aufgabe34 erhoben haben, sind nun einmal stärker als die Kriegsverlierer von damals. Die eigenen Tötungshandlungen werden mit anderem Maß gemessen als die Tötungshandlungen der Gegner. Das ist bei jeder Gangsterbande so. Und wo die Verantwortung vor Gott ignoriert wird, ist ein Staat – z. B. die BRD – eine Gangsterbande. Und die „Gläubigen“ integrieren sich in ihre Gangsterbande, indem sie nicht wie Bürger des Reiches Gottes denken und handeln, sondern wie die anderen Gangster. Deshalb blieb der Zusatz „der Große“ am Raubmörder Friedrich II. haften, deshalb wurde Bismarck bewundert, deshalb galt Hitler als „Gnadengeschenk Gottes an das deutsche Volk“. Damals in dem „geliebten Führer“ einen Verbrecher zu sehen, wäre unabhängig von der strafrechtlichen Relevanz als ungehörig empfunden worden. Dafür gelten heute unsere Politiker, die durch den von ihnen geförderten Babycaust Hitlers Holocaust zahlenmäßig weit übertreffen, zumindest als halbwegs anständige Menschen und keineswegs als solch große Verbrecher, wie die Siegergeschichtsschreibung das „Gnadengeschenk Gottes an das deutsche Volk“ beschreibt.

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Der „Kaiser“ fordert: „Heute beanspruchen die Volksführung wir, d. h. wir allein sind befugt, das Volk als solches – den einzelnen Mann, die einzelne Frau – zu führen. Die Lebensbe­ziehungen der Geschlechter regeln wir. Das Kind bilden wir!35. Den gleichen Anspruch erhebt auch Jesus, wenn er sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27). Wer sich an Jesu Eigentum vergreift, ist ein Dieb und ein Räuber (Joh. 10,1). Von denen sagt Jesus: „Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht“ (Joh. 10,5). Doch der „Kaiser“ ist nicht bereit, dieses Verhalten von Jesu Schafen zu akzeptieren und sich mit dem Herrschaftsbereich zufriedenzugeben, den Christus ihm zugewiesen hat. Schon Luther hatte der Stimme des „Kaisers“ den Vorrang gegeben vor der Stimme Jesu, indem er der Obrigkeit zugesteht zu entscheiden, wer in ihrem Herrschaftsgebiet Jesu Stimme zu deren Untertanen tragen darf. So wurde nicht nur den Wiedertäufern das Predigen verboten, sondern Luther war auch bereit, das Verbot lutherischer Predigt in katholischen Gebieten zu akzeptieren.36 Das erforderte die menschliche „Klugheit“ um des Friedens willen. Doch Jesus sagt: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Matth. 10,34). Und so zeigt die Apostelgeschichte, daß die Predigt Jesu überall Unruhe bewirkt hat. Die Erfahrung zeigt, daß missionarische Tätigkeit Verfolgung provoziert und der Verzicht auf Mission Ruhe fördert. Die blutige Verfolgung der Wiedertäufer beruhigte sich, als deren Glaubenskraft und damit ihr missionarischer Eifer nachließ. In der islamischen Welt wird es für die Gläubigen dann besonders tödlich, wenn sie die christliche Botschaft weitertragen. In der DDR wurden missionarische Aktivitäten zielgerichtet behindert. Mission ist dem „Kaiser“ deshalb zuwider, weil die antichristlichen Kräfte, die die Macht im Staat ergaunert haben, die ganze Gesellschaft antichristlich umgestalten wollen. Das zeigt mit dankenswerter Offenheit eine amerikanische Zeitschrift der Humanisten: „Der Kampf um die Zukunft des Men­schen­geschlechts muß in den Klassenräu­men der staatlichen Schulen geführt und gewon­nen werden durch Lehrer, die korrekt ihre Rolle als Missionare eines neuen Glaubens wahrneh­men:  einer Reli­gion der Humanität, … . Die Lehrer müssen die gleiche selbstlose Hingabe verkörpern wie die rabiate­sten funda­menta­listischen Prediger, denn sie werden auf eine andere Weise Verkündi­ger sein, indem sie das Klas­senzimmer anstatt der Kanzel gebrauchen, um humanistische Werte zu vermitteln, wel­ches Fach sie auch lehren, gleich welches Bildungsniveau – vorschuli­sche Tagesbe­treuung oder bedeutende staatliche Universität. Das Klassenzimmer muß und wird eine Arena des Konflikts zwischen dem Alten und dem Neuen – dem faulenden Leich­nam der Christenheit … und dem neuen Glauben der Huma­nität“.37

Die Alten mögen mit ihrem Glauben ins Grab fahren, doch durch den Generationswechsel soll möglichst die ganze Gesellschaft antichristlich umgestaltet werden. Zu diesem Zweck werden Kinder zum Staatseigentum degradiert, das von irgendwelchen Dieben und Räubern (Joh. 10,1), die die Macht im Staat ergaunert haben, antichristlich indoktriniert wird. Diese Absicht geht aus folgendem Textbaustein hervor, der sich wiederholt in Nichtannahmebeschlüssen des Bundesverfassungsgerichtes und in anderen Gerichtsentscheidungen findet: „Die Allgemeinheit hat ein be­rechtigtes Inter­esse daran, der Entstehung von religiös oder welt­an­schaulich moti­vierten ‘Parallel­gesellschaften’ entge­genzuwirken und Minderheiten auf diesem Gebiet zu in­tegrie­ren“.38 Das Bundesverfassungsgericht, das die Freiheitsrechte von Minderheiten vor den Übergriffen des Staates und der Mehrheit schützen sollte, beugt das Recht, um die christlich motivierte Parallelgesellschaft auf dem Breiten Weg der Ehebrecher, der Homosexuellen, der Pädokriminellen, der Okkultisten und anderer Feinde Christi zu „integrieren“.39 Die Fassade der Glaubensfreiheit bemüht man sich zu erhalten wie seinerzeit schon Hitler, der am 31. Jan. 1939 scheinheilig verkündete: „In Deutsch­land ist niemand wegen seiner religi­ösen Einstellung bisher verfolgt worden, noch wird deshalb je­mand verfolgt werden.“40 Doch die Glaubensfreiheit hat dann Grenzen, wenn der Glaube das Handeln bestimmt. Diese Grenze hatte Pastor Paul Schneider überschritten.

Daß der „Kaiser“ auch heute die Glaubensfreiheit begrenzt, machte das Bundesverwaltungsgericht durch zwei Urteile, beide vom 11. Sept. 2013, deutlich.41 Das eine befaßte sich mit der verpflichtenden Teilnahme an der Vorführung des Filmes Krabat. Nachdem die Schüler sich mit dem okkulten Buch befaßt hatten, sollten sie sich nun auch noch den Film ansehen. Wenn jemand aus einem Faß ein Gläschen getrunken und gemerkt hat, daß es kein Wein, sondern Jauche ist, dann trinkt er natürlich nicht weiter. Doch vergleichbare Freiheitsrechte haben Kinder nicht, da die Diebe und Räuber Jesu Eigentum zum Staatseigentum degradiert haben.

Gott hat die Obrigkeit beauftragt, als seine Dienerin das „Schwert“ zu führen, um die Banditen in Schach zu halten, damit wir überleben können. Darüber hinaus hat die Obrigkeit die Aufgabe der Vermittlung der Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen an sich gezogen. Eine biblische Begründung dafür gibt es nicht. Aber sie bietet die Möglichkeit zur Gehirnwäsche. Daß Gehirnwäsche in der Tat beabsichtigt ist, zeigt das Urteil desselben Bundesverwaltungsgerichtes zum koedukativ organisierten Schwimmunterricht für muslimische Mädchen. In dem Urteil lesen wir von der Bedeutung der Schule für den „Zusammenhalt der Gesellschaft“ [S.4] und, daß sie „eine für das Gemeinwesen unerlässliche Integrationsfunktion“ zu erfüllen habe. Das zeigt, daß es nicht darum geht, daß auch muslimische Mädchen schwimmen können; son­dern es geht um deren Integration in die Gesellschaft. Die Grenze zwischen den islamischen Bekleidungsgewohn­heiten in Saudi-Arabien und der europäischen Freikörperunkultur ist durchaus fließend. Und die „Integrationsfunktion“ der Schule soll dazu dienen, die Gehirne der Moslems zu waschen, damit sie ihre Bekleidungsgewohnheiten den europäischen anpas­sen. Zu dem nahelie­genden Gedanken, den Schwimmunterricht nach Geschlechtern getrennt durchzuführen, re­feriert das Bundesverfassungsgericht, das sich auch mit dem Schwimmunterricht befaßte,42 die Position des staat­lichen Schulamtes: „Das … Ziel, die Einübung sozialen Verhaltens anzu­streben, sei nur durch koedu­kativen Sport- und Schwimmunterricht zu gewährleisten.“ Wei­ter referiert das Bundesverfassungsgericht die Position des Bundesverwaltungsgerichtes zu einem nach Geschlechtern getrennten Schwimmunterricht: „Diese Art der Unterrichtsgestaltung laufe dem Bildungs- und Erzie­hungsprogramm der Schule in derart substantieller Weise zuwider, daß darin keine Kon­fliktentschärfung im Sinne eines Ausgleichs der widerstreitenden Verfassungsgüter liege. Wenn – wie behauptet – der nach Geschlechtern getrennte Schwimmunterricht „dem Bil­dungs- und Erzie­hungsprogramm der Schule in … substantieller Weise“ zuwiderlaufen soll, dann kann das „Bildungs- und Erziehungsprogramm der Schule“ nicht in der Fähigkeit des Schwimmens liegen. Mit „Bildungs- und Erziehungsprogramm“ kann dann nur Ge­hirnwäsche gemeint sein. Somit ist der Schwimmunterricht lediglich Mittel zum Zweck. Des­sen wirkliches Ziel ist – um es mit den Worten von Bundesverfassungsrichtern auszudrücken – „der Entste­hung von religiös oder weltanschaulich motivierten ‚Parallelgesellschaften’ entgegenzuwir­ken und Minderheiten … zu integrieren“.

Die Beschwerdeführerin beruft sich auf den Koran. Dem entgegnet das Bundesverwaltungsgericht mit folgendem Textbaustein, der sich wortwörtlich auch in seinem anderen Urteil zur Krabat-Filmvorführung befindet: „Es ist durchaus denkbar, dass einzelne religiöse Ver­haltensgebote für den Betroffenen einen so untergeordneten Stel­lenwert besitzen, dass dieser sich nicht in eine glaubensbedingte Gewissensnot gravie­renden Ausmaßes versetzt, wenn er sie in einer Konfliktlage vernachlässigt, um auf diese Weise einem entgegenstehenden staatlichen Norm­befehl Folge leisten zu können.“43 „Einem entgegenstehenden staatlichen Normbefehl Folge leisten“ – Wer hat wem etwas zu befehlen? Was ist mit den Freiheitsrechten des Grundge­setzes? Durch den in das Grundgesetz hineingelogenen staatlichen „Bildungs- und Erzie­hungsauftrag“, womit ein Auftrag zur Gehirnwäsche gemeint ist, sind wesentliche Freiheits­rechte für Kinder abgeschafft. Kinder werden zum Objekt staatlichen Handelns degradiert, zum Objekt des herbeigelogenen „Bildungs- und Erzie­hungsauftrages“. Die Freiheitsrechte des Grundgesetzes, wonach sie es ablehnen dürften, sich erzie­hen zu lassen, ihr Gehirn wa­schen zu lassen, werden ihnen vorenthalten. Dadurch werden sie zum Staatseigentum de­gradiert. Doch das ist Raub an Jesu Eigentum. Die Kinder mögen auch weiterhin Allah oder Christus dienen. Aber indem man von ihnen verlangt, auch „einem ent­ge­genstehenden staatlichen Normbefehl Folge (zu) leisten“, verlangt man von ihnen, zwei Herren zu dienen. Doch das kann niemand. Somit bedeutet das erste Verlassen der Wege Al­lahs bzw. der Wege Christi, daß man Allah als seinen Herrscher bzw. Christus als seinen Kö­nig verwirft.

12. Obrigkeit von Gott und Diener des Teufels

Da nach der Zweireichelehre Christus sowohl das Reich Gottes zur Rechten als auch das Reich Gottes zur Linken regiert, war es seit Luther zu wenig im Blickfeld, daß ein- und dieselbe Person sowohl Obrigkeit von Gott als auch ein Diener und Prediger des Teufels sein kann. Beides schließt sich keineswegs einander aus. Das war bei Hitler der Fall, das war auch vor ihm gang und gäbe, und das ist auch heute gang und gäbe. Obrigkeit von Gott schließt nicht aus, daß die gleiche Person als Chef einer Gangsterbande handelt. Früher hatten alle Könige gewußt, daß ein Staat im Chaos versinkt, wenn sich die Untertanen nicht ihrer Verantwortung vor Gott bewußt sind. Doch Menschen, die auf Christi Stimme hören, lassen sich nicht in eine Raubmörderbande integrieren. Da ist es „Aufgabe“ der Hoftheologen des Königs, das Gotteswort so hinzubiegen, daß die Bluttaten des Königs als gottwohlgefällig erscheinen. „Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet“. Durch diesen frommen Choral wurde der Befehl eines Raubmörders zum Befehl Gottes. Das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonskirche erinnerte die preußischen Untertanen an deren Verantwortung vor Gott, indem es mahnte: „Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Fingerbreit von Gottes Wegen ab“. Doch gemeint war: … und weiche keinen Fingerbreit von den Wegen ab, von denen die Hoftheologen des Königs uns weismachen wollen, sie seien die Wege Gottes. Durch diese Symbiose von Politik und Theologie bzw. von Thron und Altar erreichte die christliche Botschaft jeden Untertanen, auch wenn im Elternhaus das Gotteswort nicht vermittelt worden war. Als Gegenleistung in diesem Geben und Nehmen wurde die christliche Botschaft nach politischen Gesichtspunkten zurechtgebogen. Auf diese Weise erhielt der „Kaiser“, was in Wirklichkeit Gottes ist, und Gläubige wurden verführt, sich in eine Mörderbande zu integrieren. Wie das zum Erfolg Preußens beitrug, hat Bismarck erkannt: „Das Pflichtgefühl im Menschen der sich einsam im Dunkeln totschießen läßt, haben die Franzosen nicht. Und das kommt doch von dem Rest von Glauben in unserem Volke, davon, daß ich weiß daß Je­mand da ist, der mich auch dann sieht, wenn der Leutnant mich nicht sieht.“44

Jesus gilt rein formal als Oberhaupt zweier Reiche. Aber der „Kaiser“ akzeptiert Jesu Königsherrschaft auf Erden nur innerhalb der von ihm gesetzten Schranken. Das zeigt die bereits beschriebene auch subjektive Bereitschaft Bismarcks, die Wege Gottes zu verlassen, das zeigt Hitlers Anmaßung, Jesu Königsherrschaft auf den Himmel zu begrenzen. Und diese Anmaßung haben auch unsere heutigen Politiker mit Hitler gemeinsam, wenn Volker Kauder (CDU) behauptet, der Staat stehe über der Religion.45 So dreist hat sich im „christlichen Abendland“ bisher wohl noch niemand über Jesus Christus erhoben wie dieser Politiker einer angeblich christlichen Partei. Daß Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht trotz der in der Präambel des Grundgesetzes angemahnten Verantwortung vor Gott diese Anmaßung billigen, zeigen die bereits erwähnten Urteile zum Krabat-Film und zum Schwimmunterricht. Ein Sprichwort sagt: Wer dem Teufel den kleinen Finger gibt, dem nimmt er die ganze Hand. Und diese Strategie verfolgen die Feinde Christi ganz bewußt nach der Salamimethode.

Man fragt sich heute: Wie konnte Hitler bei über 90% Kirchenmitgliedern in der Bevölkerung bei Wahlen eine Chance haben, obwohl sein Antichristentum schon vor 1933 offensichtlich war. Doch wenn sogar die Pharisäer und Schriftgelehrten und später die Päpste und die Reformatoren einschließlich Luther die Wege Gottes verließen, um der Sache Gottes zu dienen, dann darf man sich nicht wundern, wenn zum vermeintlichen Wohle Deutschlands die Wege Gottes ebenfalls verlassen werden. Bei den Hoffnungen, die mit Hitler verbunden waren, war man bereit, über sein Antichristentum hinwegzusehen, zumal Antichristentum ohnehin Bestandteil der deutschen „Kultur“ war. Darwins Evolutionslehre, mit der Hitler das auch schon vor ihm ständig praktizierte „Recht des Stärkeren“ rechtfertigte und durch die er die Neger Afrikas als „Halbaffen“ abwertete, war schon vor 1933 Allgemeingut und steht noch heute im Schulbuch. Daß im Unglauben lediglich ein hinnehmbarer Makel und nicht – wie in der Heiligen Schrift bezeugt46 – die unerschöpfliche Quelle allen Verbrechertums gesehen wurde, die jeden Staat noch stärker zur Verbrecherbande umgestaltet, als er es ohnehin schon ist, lag an den Pfaffen, die selbst nicht dem Gotteswort glaubten, das sie predigen sollten. All die Prediger, die in der Geschichte den Raubmördern zugejubelt hatten, mögen durch den Schafspelz verführt worden sein, mit dem gemäß der Predigt Jesu die reißenden Wölfe bekleidet sind (Matth. 7,15) und um den sich sogar Hitler bemüht hatte.

Aber bei den heutigen Wölfen ist kaum ein Schafspelz erkennbar. Wo lassen folgende vom Bundesverfassungsgericht zustimmend zitierte Worte der Ständigen Konferenz der Kultusminister einen Schafspelz erkennen?: „Sexualität als eine der Quellen von Lust und Le­bensfreude muß heute auch in der Erziehung junger Menschen ausdrückliche Anerkennung finden. Eine Sexualerziehung, die sich vorwiegend nur negative Ziele setzt, indem sie abschirmt oder unter­drückt, kann den Anforderungen unserer Zeit nicht genügen“.47 Dabei ist es selbst bei denen, die noch nie eine geöffnete Bibel gesehen haben, Allgemeinwissen, daß nach christlicher Lehre Sexualkontakte ausschließlich in die Ehe gehören. Grundschulkinder lernen anhand eines in der vierten Klasse benutzten „Bilderbuches“: „Das ist ein sehr schönes Gefühl …“. Die Fortsetzung dieses Zitats hatten mir fromme Gemüter verübelt, da es zum Zitieren zu schmutzig sei. Dann lernen Grundschulkinder zur Freude der Pädokriminellen: „Mein Gefühl hat immer Recht“, wo sie lernen sollten: Das Gotteswort hat immer Recht. Beide schulische Botschaften haben nach den Bundesverfassungsrichtern Papier, Bryde und Schluckebier ihre Richtigkeit.48 Wo hat es vergleichbaren schulischen Pornodreck, von dem noch jede Menge zitiert werden könnte, bei den Nazis gegeben?!

Hitlers Bluttaten waren geheim, oder er konnte eine Rechtfertigung herbeilügen. Aber der heutige Kindermord ist weder geheim, noch kann man den Mordopfern ein todeswürdiges Verbrechen anhängen, da sie noch nicht den Mutterleib verlassen haben. Darüber hinaus wird er nicht nur geduldet, was schlimm genug wäre, sondern die Bundestagsmehrheit einschließlich Kohl, Merkel, Schäuble und Waigel hat den Kindermord dadurch zur gesellschaftlichen Aufgabe erhoben, daß sie die Bundesländer verpflichtet hatte, ausreichend Kapazitäten für Menschentötungen „sicher“zustellen,49 wie schon Hitler andere beauftragt hatte, Kapazitäten für Menschentötungen zu schaffen. Und solche Bluthunde und Pornokraten, besonders die mit einem CDU-Parteibuch, werden in frommen Versammlungen wie Brüder in Christus begrüßt, und deren Heuchelei wird in „christlichen“ Blättern ohne entlarvende Anmerkungen wiedergegeben.50 Diese „frommen“ Trottel fühlen sich geehrt – ich meine die Ehre bei Menschen, nicht aber die Ehre bei Gott – wenn sie mit den Lumpen und Bluthunden der großen Politik fotografiert werden, so wie man sich früher geehrt gefühlt hatte, mit Hitler auf einem Bild zu erscheinen. So dumm kann kein Gemeindeleiter und kein Redakteur sein, daß er die heutigen reißenden Wölfe, die kaum noch einen Schafspelz tragen, nicht als solche erkennen könnte. Das ist nicht mehr Verführung, sondern Verrat wie bei Judas.

Warum auch mit den reißenden Wölfen sich anlegen? Die haben doch nichts gegen die Kirche, sondern nur gegen Christus und gegen diejenigen, die Christus angehören. Die Kirche wird vielmehr benötigt, um die Gläubigen anzuführen, um sie zu einem anderen Jesus und zu einem anderen Evangelium (2. Kor. 11,4) zu verführen. Deshalb verstellt sich der Satan zum Engel des Lichts und die falschen Apostel zu Christi Aposteln (2. Kor. 11,13-15). Und so weist der Teufel die „Lutheraner“ auf die Zweireichelehre hin, bei der er durch seinen Diener, den Reformator Prof. Dr. Martin Luther, den er zu einer Art Papst aufgebaut hat, die Grenze von dem, was des „Kaisers“ ist, und dem, was Gottes ist, zugunsten des „Kaisers“ verändert hat. So predigen die Pfaffen das Heil in Christus – oder auch nicht. Wie die Pharisäer und Schriftgelehrten sieben sie die Mücken falscher Lehre aus – oder auch nicht. Aber wie die Schriftgelehrten und Pharisäer Kamele verschluckt hatten (Matth. 23,23), so verschlucken auch sie Kamele. Solch ein von „Lutheranern“ verschlucktes Kamel ist, daß sie es in ihrer „rechtgläubigen“ Verkündigung nicht thematisieren, daß der „Kaiser“ die ihnen anvertrauten Seelen aus der christlichen „Parallelgesellschaft“ herausreißen will, um sie auf dem Breiten Weg der Hurer, der Ehebrecher, der Homosexuellen, der Okkultisten und anderer Feinde Christi zu „integrieren“. Wie der Teufel die Bibel zitiert (Matth. 4,6), so zitieren auch sie die Worte Jesu „die Pforten der Hölle werden sie [die Gemeinde] nicht überwältigen“ (Matth. 16,18), und begründen so ihren antichristlichen Pazifismus. Sie handeln im Sinne des Druckfehlers „Kämpfet nicht die wenig Jahre, eh ihr kommt auf die Totenbahre“ im Lied Rüstet euch, ihr Christenleute. Wer in dem Sinne Lutheraner ist, wie man in Korinth paulisch oder apollisch war, der sieht keinen Handlungsbedarf, solange der Teufel die spezifisch lutherischen Schibboleths nicht antastet.

Der Weinberg Gottes ist vergleichbar mit einem innerweltlichen Unternehmen. In der DDR gab es die Volkseigenen Betriebe (VEB). Ohne inneres Engagement taten die Arbeiter ihren Job, immer in Sorge, sie könnten zu viel arbeiten. Als diese Betriebe nach der Wende im Konkurrenzkampf bestehen mußten, gingen sie pleite. Ähnlich arbeiten Beamte in den Behörden. Deshalb sind sie weniger effizient als die private Wirtschaft, und Staaten gehen pleite. Dagegen sind Kapitalisten voller Engagement und suchen ständig nach neuen gewinnversprechenden Geschäftsideen. Natürlich vergraben sie ihr Kapital nicht, sondern wuchern damit, selbst wenn sie nur ein Pfund haben sollten.

Solch ein Eiferer war der Apostel Paulus, immer darauf bedacht, sowohl Juden als auch Heiden für Christus zu gewinnen. Deshalb hatte er z. B. in Ephesus drei Jahre lang Tag und Nacht nicht abgelassen, einen jeden unter Tränen zu ermahnen (Apg. 20,31). Und wenn das rettende Evangelium verfälscht wurde, dann wurde er zum Löwen. Und seine Verkündigung hatte in Ephesus den Herstellern von silbernen Götzentempeln wirtschaftlichen Schaden zugefügt (Apg. 19,23-40). Dagegen fügen die heutigen Prediger weder dem Rotlichtmilieu, noch der Kindermordbranche, noch dem Rauschgifthandel, noch der Alkoholwirtschaft, noch der Tabakindustrie einen nennenswerten wirtschaftlichen Schaden zu. An den Universitäten und kirchlichen Institutionen treiben die hochgelehrten Theologen irgendwelche Beschäftigungstherapie, die sowohl die Nazis als auch die DDR-Kommunisten mit Steuergeldern gefördert hatten und die ihnen nicht gefährlich geworden war. So wurden sie abgelenkt von Kampfhandlungen „gegen die listigen Anschläge des Teufels“ (Eph. 6,11).

Nicht alle gleichen faulen Beamten, die ihr Geld auch für einen „Dienst nach Vorschrift“ ohne inneres Engagement und bei entsprechend geringem Erfolg bekommen. Das war auch nicht die Eigenart der Schriftgelehrten und Pharisäer, denen Jesus missionarischen Eifer bescheinigt (Matth. 23,13). Sie wollten der Sache Gottes dienen. Deshalb verwarfen sie Jesus, der sie bei ihren Bemühungen störte. Auch die Päpste wollten der Kirche dienen, ebenso die Reformatoren einschließlich Luther. Natürlich wollten sie Christus dienen, waren sich aber nicht bewußt, daß beides nicht dasselbe ist, daß sie somit zwei Herren dienen wollten. Und wie Luther verlassen bis heute auch „Lutheraner“ die Wege Gottes, um der Sache Gottes zu dienen.

 

 1Karl Heussi, § 81 m.

2An den christlichen Adel deutscher Nation, von des christlichen Standes Besserung, In: Dr. Martin Luthers Sämmtliche Schriften, 2. Auflage, herausgegeben von Georg Walch, St. Louis, Mo., USA 1880-1910, Nachdruck Groß Oesingen 1987, Band 10, Spalte 272. Im folgenden abgekürzt: Walch2. Oder: Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe 6. Band, Weimar, S. 408. Im folgenden abgekürzt: WA. Die Luthertexte sind nach Walch2 zitiert. Diese Fassung ist leichter lesbar als Texte in Luthers Originalrechtschreibung. Der Nachdruck von 1987 ist in lutherischen Kreisen weit verbreitet, so daß jeder in bibeltreuen lutherischen Kreisen jemanden kennen sollte, der diese Ausgabe hat. Die Nachprüfbarkeit für jedermann ist deshalb wichtig, weil die nachfolgenden Lutherzitate von Blut triefen, so daß man es nicht für möglich halten sollte, daß sie tatsächlich von Luther stammen könnten. Die Originalrechtschreibung kann in der Weimarer Ausgabe (WA), nach der Luther in wissenschaftlichen Veröffentlichungen zitiert wird, nachgesehen werden. Einsehen kann man diese in Bibliotheken Theologischer Fakultäten. Da das für viele zu umständlich ist, deshalb wird Luther hier an erster Stelle nach der zweiten Auflage von Walch zitiert.

3Der Wiedertäufer Johannes Denck, ohne Quellenangabe zitiert in: Peter Hoover, Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation, Berlin 2006, S. 57.

4Kilian Auerbacher, ein Wiedertäufer aus Mähren, in einem Brief von 1534 an den Straßburger Reformator Martin Bucer. In: Quellen zur Geschichte der Täufer, Band VIII, Elsaß II, Straßburg 1533-1535, Gütersloh 1960. In der Reihe: Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte, S. 406, zitiert in: Feuertaufe, S. 68.

5Fundamentbuch, in: Simons, Menno, Werke, Die vollständigen Werke Menno Simons, Funk Ausgabe 1876. Nachdruck: Aylmer, Ontario 1971, S. 124, zitiert in: Peter Hoover, Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation, Berlin 2006, S. 68.

6D. Martin Luthers Brief an Eberhard von der Tannen, von den Schleichern und Winkelpredigern, Anfang 1532, In: Walch2, Band 20, Spalte 1666 oder WA 30, S. 518f.

7Ebenda

8D. Martin Luthers Brief an Eberhard von der Tannen, von den Schleichern und Winkelpredigern, 1532, in: Walch2, Band 20, Spalte 1669 oder WA 30, S. 520f.

9An den christlichen Adel deutscher Nation, von des christlichen Standes Besserung, Walch2, Bad 10, Spalte 272 oder WA 6, S. 408.

10D. Martin Luthers Brief an Eberhard von der Tannen, von den Schleichern und Winkelpredigern, 1532, in: Walch2, Band 20, Spalte 1668 oder WA 30, S. 520.

11Simons, Menno, Werke. Die vollständigen Werke Menno Simons, Funk Ausgabe 1876. Nachdruck: Aylmer, Ontario 1971, Reprint 2002, S.277f. Im Internet abrufbar unter https://dir.sermon-online.com/german/MennoSimons/Die_Vollstaendigen_Werke_Menno_Simons_1554.pdf

12Deshalb hat Justinian von Welz (1621- ca. 1668) bei seinen Bemühungen um die Gründung einer Missionsgesellschaft sehr leidenschaftlich gegen diese Auffassung argumentieren müssen (Justinian von Welz. Ein Österreicher als Vordenker und Pionier der Weltmission. Seine Schriften bearbeitet und herausgegeben von Fritz Laubach, 1989).

13Erster evangelischer Prozess wider allerlei grausame Irrtümer der Wiedertäufer, Köln 1582, zitiert in Feuertaufe a. a. O., S. 240.

14Simons, Menno, Werke, Die vollständigen Werke Menno Simons, Funk Ausgabe 1876. Nachdruck: Aylmer, Ontario 1971, Reprinted 2002, S. 279. Im Internet abrufbar unter https://dir.sermon-online.com/german/MennoSimons/Die_Vollstaendigen_Werke_Menno_Simons_1554.pdf

15Ebenda, S. 158.

16Luther zu Matth. 6,24 (WA 32, 316, 15-18 oder Dr. Martin Luthers Sämmtliche Schriften, 2. Auflage, herausgegeben von Georg Walch, 7. Band, St. Lois, Mo, USA 1880-1910, Nachdruck Groß Oesingen 1987, Spalte 553).

17Franz Lau, Luthers Lehre von den beiden Reichen, Berlin (Ost) 1952, S. 17, Fußnote 29.

18Phil. Melanchthons Bedenken, daß weltliche Obrigkeit schuldig sei, den Wiedertäufern mit leiblicher Strafe zu wehren, Anno 1536. (Luther war ein Mitverfasser), Walch2 Band 20, Spalte 1753 oder WA50, S. 10f.

19Luthers Auslegung von Ps. 82,4, Walch2, Band 5, Spalte 721 oder WA 31, S. 210.

20D. Martin Luthers Brief an Eberhard von der Tannen, von den Schleichern und Winkelpredigern, 1532, in: Walch2, Band 20, Spalte 1669 oder WA 30, S. 520f.

21Erich van Eyck: Bismarck und das Deutsche Reich, 8. Auflage, München 1990, S. 35.

22zitiert a. a. O., S. 56.

23a. a. O., S. 152.

24D. Max Frommel: Hauspostille. Epistel-Predigten für das ganze Kirchenjahr, vierte Auflage, S. 502.

25a. a. O., S. 448.

26Max Domarus [Hrsg.], Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band I, Würzburg 1962, S. 762.

27Max Domarus [Hrsg.], Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band I, Würzburg 1962, S. 762.

28Heilig dem Herrn 1935, S. 39.

29Claude R. Foster, Paul Schneider. Seine Lebensgeschichte, Holzgerlingen 2001, z. B. S. 591.

30zweite Auflage seiner Selbstbiografie Er führet mich auf rechter Straße – Lebenserinnerungen von 1940 auf S. 387.

31Claude R. Foster, Paul Schneider. Seine Lebensgeschichte, Holzgerlingen 2001, z. B. S. 591.

32Heilig dem Herrn Nr. 4, 1934.

33So Richter Kuda in einem Strafurteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 24.11.1998 mit dem Aktenzeichen 8 Ns 404 Js 43127/97. Wiedergegeben in: Johannes Lerle, Nürnberger Ketzerprozesse gegen Kindermordgegner. Eine Kette von Rechtsbeugungen, Erlangen 2003, S. 35. Im Internet: http://www.kindermordgegner.de, (Punkt II.4.h. Urteil im Berufungsprozeß V.)

34Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz (SFGHÄndG) vom 21. August 1995, § 13. (BGBl I, S.1052).

35Max Domarus [Hrsg.], Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band I, Würzburg 1962, S. 762.

36Luthers Auslegung von Ps. 82,4, Walch2, Band 5, Spalte 719 oder WA 31, S. 209.

37John J. Dunphy: A Religion for a New Age. In: The Humanist, New York Jan./Feb. 1983, S. 26.

38Richterin Jaeger und die Richter Hömig und Bryde vom Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts in ihrem Beschluß vom 29. April 2003 mit dem Aktenzeichen 1 BvR 436/03 oder die Bundesverfassungsrichter Landau, Kassel-Wulf und König in ihrem Nichtannahmebeschluß der Verfassungsbeschwerde der Eheleute Schaum vom 15. Oktober 2014 mit dem Aktenzeichen 2 BvR 920/14 oder in dem Nichtannahmebeschluß der Bundesverfassungsrichter Hassemer, Di Fabio und Landau in ihrem Nichtannahmebeschluß der Verfassungsbeschwerde der Eheleute Bauer vom 31, Mai 2006 mit dem Aktenzeichen 2 BvR 1693/04.

39Daß genau diese „Bildungsziele“ vorsätzlich verfolgt werden, wird in vielen Broschüren nachgewiesen, die auf www.staatseigentum.net veröffentlicht sind.

40Max Domarus [Hrsg.], Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band II, Würzburg 1963, S. 1058-1060.

41Urteile vom 11.09.2013 mit dem Aktenzeichen 6 C 25.12 und dem Aktenzeichen 6 C 12.12.

42Nichtannahmebeschluß – 1 BvR 3237/13 –

43Urteil vom 11.09.2013 mit dem Aktenzeichen 6 C 25/12, Punkt 22.

44Erich van Eyck: Bismarck und das Deutsche Reich, 8. Auflage, München 1990, S. 14.

45Nach n-tv.de vom 29. April 2016 (http://www.n-tv.de/politik/Kauder-will-staatliche-Kontrolle-fuer-Moscheen-article17584411.html).

46Folgende Bibelstellen über die kriminelle Energie der Gottlosen sind weitgehend unbekannt und werden von den Predigern verschwiegen: „Du verwirfst alle, die von deinen Gebo­ten abirren; denn ihr Tun ist Lug und Trug“ (Ps. 119,118). „Die Seele des Gottlosen gelü­stet nach Bösem und er­barmt sich nicht seines Nächsten“ (Spr. 21,10). „Ein Gott­loser, der über ein armes Volk regiert, ist wie ein brüllender Löwe und ein gieriger Bär“ (Spr. 28,15). „Die Ge­danken der Gerech­ten sind redlich; aber was die Gottlosen planen, ist lauter Trug. Der Gott­losen Reden richten Blutver­gießen an; aber die From­men errettet ihr Mund“ (Spr. 12,5f). „Wenn die Gerechten Ober­hand haben, so ist herrli­che Zeit; wenn aber die Gottlosen hoch­kom­men, verber­gen sich die Leute“ (Spr. 28,12). „Denn wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so ler­nen die Be­woh­ner des Erdkreises Gerechtigkeit. Aber wenn dem Gottlosen Gnade wider­fährt, so lernt er doch nicht Ge­rechtigkeit, sondern tut nur übel im Lande, wo das Recht gilt, und sieht des HERRN Herr­lichkeit nicht“ (Jes. 26,9b-10). „Ein unge­rechter Mensch ist dem Gerechten ein Greuel; und wer recht wandelt, ist dem Gottlosen ein Greuel“ (Spr. 29,27). In Psalm 10 ist die Men­talität des Gottlosen folgen­dermaßen be­schrieben: „Weil der Gott­lose Übermut treibt, müssen die Elen­den leiden; sie wer­den gefangen in den Ränken, die er er­sann. Denn der Gottlose rühmt sich seines Mutwil­lens, und der Habgierige sagt dem HERRN ab und lästert ihn. Der Gottlose meint in sei­nem Stolz, Gott frage nicht danach. ‚Es ist kein Gott’ sind alle seine Gedanken. Er fährt fort in sei­nem Tun immer­dar. Deine Gerichte sind ferne von ihm, er handelt gewaltsam an allen seinen Fein­den. Er spricht in sei­nem Herzen: ‚Ich werde nim­mer­mehr wanken, es wird für und für kein Not haben.’ Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug; seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an. Er sitzt und lauert in den Höfen, er mordet die Un­schuldigen heim­lich, seine Augen spähen nach den Armen. Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht, er lau­ert, daß er den Elenden fange; er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. Er duckt sich, kauert nieder, und durch seine Gewalt fallen die Un­glückli­chen. Er spricht in seinem Her­zen: ‚Gott hat’s vergessen, er hat sein Antlitz verbor­gen, er wird’s nim­mermehr sehen.’“

47„Empfehlungen zur Sexualerziehung in den Schulen“ vom 3. Okt. 1968 der Ständigen Konfe­renz der Kultusminister, zitiert in BVerfGE 47, S. 52.

48Das geht aus zwei Nichtannahmebeschlüssen des Bundesverfassungsgerichtes hervor. Rechtsbeugungen sind gewöhnlich in Nichtannahmebeschlüssen versteckt. Formal sind sie keine Entscheidung, werden aber gewöhnlich begründet und entfalten dadurch die Wirkung einer Entscheidung, auf die sich andere Rechtsbeuger beziehen. Der zeitlich erste Nichtannahmebeschluß ist vom 10. Nov. 2008 mit dem Az. 2 BvR 2724/08 und blieb unbegründet und ist im Unterschied zu anderen Nichtannahmebeschlüssen nicht im Internet abrufbar. Er hat folgende „Wissensvermittlung“ eines „Bilderbuches“ in der vierten Grundschulklasse zum Gegenstand: „Das ist ein sehr schönes Gefühl. Mein Glied in Mamas Scheide“. Der zeitlich zweite Nichtannahmebeschluß ist vom 21. Juli 2009 mit dem Az. 1 BvR 1358/09. Er wurde begründet und ist im Internet abrufbar. Er hat die schulische „Wertevermittlung“ zum Gegenstand „Mein Gefühl hat immer Recht“. Da ein- und dieselben Richter beide Nichtannahmebeschlüsse in dieser Reihenfolge erlassen haben, müssen wir sie als Einheit betrachten. Somit wird das „sehr schöne Gefühl“, von dem die Viertklässler zur Freude der Pädokriminellen lernen, daß es mit Sexualkontakten verbunden sei, zur Wegweisung für ihr Sexualverhalten.

49 §13 des Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgsgesetzes vom 21. 8. 1995 (BGBl. I, 1995, S. 1052). Das Abstimmungsverhal­ten ist dokumentiert in den Plenarprotokollen des Deutschen Bundestages, 13. Wahlperiode, S. 3795-3798.

50Das christliche Geschwafel von Helmut Kohl gibt ideaSpektrum in folgenden Ausgaben wieder: 44/1996 S. 7; 34/1997 S. 6; 45/1997 S. 6; 15/1998 S. 6; 25/1998 S. 6. Christliches Geschwafel von Frau Merkel finden wir in folgenden Ausgaben von ideaSpektrum: 26/2008 S. 6; 25/2009 S. 6; 34/2009 S. 14. Christliches Geschwafel von Günther Beckstein finden wir in IdeaSpektrum 31/32/2008, S. 6; und 40/2008 S. 6.